Jazz-Tipp: Schön schlimm mit Swing - DER SPIEGEL
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Jazz-Tipp Schön schlimm mit Swing

Mit Cover-Versionen von Nirvana- und Led-Zeppelin-Songs wurde The Bad Plus berühmt. Auf ihrem neuen Album „Prog“ interpretieren die eigenwilligen Jazzer Burt Bacharach.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unter The Bad Plus (etwa: "Die Allerschlimmsten") konnte ich mir nur das Klischee einer HipHop-Truppe vorstellen: Typen mit Dreadlocks oder Glatze, die schweren Goldschmuck und auf die Hüfte gerutschte überweite Hosen tragen. Weshalb um alles in der Welt muss sich ein Jazz-Trio mit der herkömmlichsten aller Besetzungen - Piano, Bass, Schlagzeug - so einen irreführenden Namen geben? Ist das ein Marketingkonzept, um den Jazz für junge Zielgruppen attraktiv zu machen, ist es eine Provokation für eher konventionelle Jazzliebhaber wie mich?

Ethan Iverson, Reid Anderson und David King sind ziemlich verblüfft, als ich sie mit diesen Fragen überfalle. Beim Gespräch in einem Hamburger Hotel erklären mir die Mitdreißiger aus dem Mittleren Westen, dass sie lediglich einen Namen gesucht hätten, der sich leicht einpräge.

Zum Beispiel wäre Iverson-Trio nicht in Frage gekommen, weil sie keine Band seien, in der ein Kontrabass-Knecht und ein Fußarbeiter am Schlagzeug einen Klaviervirtuosen begleiten. "Bei uns komponiert und arrangiert jeder", sagt Drummer King, "und alle spielen gleichberechtigt ihre Soli."

King und Bassist Anderson haben jahrelang in der Heavy-Metal-Szene gerockt. Der Pianist Iverson galt als Nachwuchshoffnung der New Yorker Jazz-Szene. 1989 gründeten die drei ihre Band, die "Einflüsse von Jazz, Klassik, Rock und Dance-Music aufsaugt und wieder ausspuckt" (so das Londoner Magazin "Time Out"). Für ihre Klangorgien nutzen die Power-Musikanten außer Eigenkompositionen gern die Hits anderer - von der Queen-Hymne "We Are The Champions" über David Bowies "Life On Mars" bis zur Burt-Bacharach-Schnulze "This Guy's in Love With You". Dabei identifizieren Swinggefühl und Improvisationsstärke die drei eindeutig als Jazzer – und trotzdem geht ihre Musik weit über Jazz hinaus.

Eine Band wie The Bad Plus, schreibt der Münchner Kritiker Ralf Dombrowski, nehme dem Jazz "das Stigma des Elitären, das ihn zum Nischenphänomen hat werden lassen". Und der seltsame Name ist da hilfreich? Drummer King sagt lachend: "In Zukunft werden sich viele Jazzbands ein Beispiel an unserem Namen nehmen." Vielleicht auch an der Musik.


Album The Bad Plus: "Prog" (Emarcy/Universal)