"Juxtapose": Tricky light - DER SPIEGEL
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"Juxtapose" Tricky light

Auf seinem neuen Album "Juxtapose" hält Tricky einige musikalische Überraschungen bereit. DJ Muggs von Cypress Hill und Def-Jam-Produzent Grease haben ihn tatkräftig dabei unterstützt.
Von Cristina Moles Kaupp
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Adrian Thaws hat wieder einmal alle ausgetrickst. "Maxinquaye", "Nearly God", "Pre-Millenium Tension", "Angels With Dirty Faces" - seine bisherigen Alben glichen einer Höllenfahrt, in denen immer neue Schattierungen von Zweifel, Elend und Einsamkeit auftauchten. Nur eine fahle Notbeleuchtung durchdrang ab und an das kalte Dunkel, porös schepperte die Welt des jungen Mannes aus Bristol in ihren Angeln.

Und nun Zeit für Neuland, einen anderen Kurs: Tricky entschied sich für das Nebeneinander seiner favorisierten Musikstile - Rap und HipHop. Klar, dass er für das neue Album eine Koproduktion mit zwei Kennern der Materie wagte: DJ Muggs (Cypress Hill) und Grease (DMX und Ruff Ryders).

Energisch, kompakt, von hyperhektischem Rap tranchiert und obendrein viel zu kurz: "Juxtapose" zeigt einen veränderten Tricky. Einen, der bisweilen regelrecht schwerelos über den bleiernen Dingen schwebt. So der erste Eindruck. Aber dann lösen sich die ersten favorisierten Songs heraus und tackern ihn fest auf seine beißende Weltsicht: "For Real", "Bom Bom Diggy", "Contradictive" und "Wash My Soul".

Unglaublich heiter: "For Real" - eine Parodie auf Musiker, die ihre Bodenhaftung längst verloren haben. Scheinexistenzen, die sich im virtuellen Space ihrer Video-Clips wohler fühlen, als im Alltag, den sie in ihren Reimen geißeln. "Bom Bom Diggy", das erste gemeinsame Stück mit Grease, durchdrungen von dunklem Drive und dem schnellzüngigem Rap des Londoner Mad Dog. Eine entspannt gezupfte Akustikgitarre entführt in das leichtfüßig daherschlendernde "Contradictive", doch Vorsicht - darin lauern Crack-Schwaden und psychotische Texte: "How much time can you kill? Time istn´t real".

Zeit für Männer, die nur mit dem Schwanz denken ("I Like The Girls"), durchgepeitschte Industrial-TripHop-Beats ("Hot Like A Sauna") und den etwas blutarmen Gesang der neuen Sängerin Kioka Williams. Sie haucht Bessessenheit in "Call Me": "I wait for you, I hate for you". Angesichts der vielen düsteren Winkel, in denen Tricky herumstöbert, ist es zu dem manischen "Wash My Soul" nicht weit, dem atemlos herausgepressten Verlangen nach einer gereinigten Seele. Tricky - Ein Ketzer mit Waschzwang. Großstädte, Müll und Tod liefern immer noch das Szenario für seine Sinnsuche. Tricky ist ein Stück weitergekommen, weiß aber: "Hell is around the corner" - und von ganz weit hinten hallt höhnisch ein seltsam asthmatisches Gelächter.

Tricky "Juxtapose" ( Island/UMC)

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