Klassik 15-Meter-Orgel im Zimmer
Einer der schönsten Momente im Kino ist, wenn vor Beginn des Films pompöse Orchesterklänge aus allen Richtungen durch den Raum rollen: Das Surround-System zeigt, was es kann. Doch wie die Internationale Funkausstellung in Berlin ab 29. August zeigen wird, gibt es inzwischen von 1500 Euro an aufwärts aus fünf Lautsprechern und einem Tieftöner ordentlichen Rundumklang fürs Heimkino zu kaufen. Kinoähnlichere Klänge produziert ein neues System von Bose, das sich selbst dem Raum anpasst und den Zuhörer mitten ins Filmgeschehen versetzt.
Auch für Klassik-Fans gibt es Neuigkeiten: Die Plattenfirma Dabringhaus und Grimm hat DVD-Audios herausgebracht, die mit dem neuen 2+2+2-Verfahren aufgenommen wurden. Ein Fachjournalist schwärmte von der "Höhendimension" im Klang: Die DVD-Audios hören sich an, als stünde eine 15 Meter hohe Orgel im Wohnzimmer. Allerdings nur, wenn sie mit einer entsprechenden Anlage abgespielt werden, und die besteht meist aus zwei großen Stereoboxen und vier weiteren Lautsprechern. Platz sparender und technisch ausgefeilter ist der bildschirmgroße "Digital Sound Projector" von Pioneer. Die Schwingungen der 254 Transducer werden von den Wänden und der Zimmerdecke reflektiert - so simuliert das System "virtuelle Lautsprecher". Ladenpreis: rund 40 000 Euro.
"Kleine Fortschritte" sind das für den MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg. Mit der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie arbeitet er in Ilmenau an der Hi-Fi-Anlage der Zukunft. "Egal, ob Stereo oder Surround", sagt Brandenburg, "den optimalen Klang haben Sie bisher nur an einer Stelle im Raum." Dagegen soll die "Klangfeldsynthese" exakt die gleichen Schallwellen wie im Aufnahmeraum erzeugen, und zwar an jedem Punkt des Zimmers. Dafür braucht er Dutzende Lautsprecher; einen Kinosaal hat er mit 192 Boxen bestückt. Für Brandenburg ist das ein Schritt "wie seinerzeit von Mono zu Stereo". Bis sein System in den Wohnzimmern steht, sind allerdings noch viele Schritte zu gehen.
Güven Purtul