Klassik "Grandioses Bekenntnis"
KulturSPIEGEL:
Ihre neue CD enthält eine Premiere - Max Regers gewaltige Orgelsuite op. 16 in seiner Klavierfassung. Wie war das möglich?
Groethuysen: Der Verleger lehnte 1896 die Klavierduo-Version ab; sie wurde dann erst 1999 gedruckt - auf unseren Rat. Es ist ein Geniestreich und ein Bekenntnis.
Tal: Wir sind ohnehin Reger-Enthusiasten; schon in unserem allerersten Konzert war Reger dabei. Leider wird seine grandiose Musik immer noch vernachlässigt.
KulturSPIEGEL: Kann das überwältigende Fugen-Gebirge, das der 22-jährige Reger zu Bachs Ehren aufgetürmt hat, bei heutigen Hörern überhaupt ankommen?
Tal: Konzertveranstalter sind auch oft skeptisch, aber es funktioniert immer sehr gut.
Groethuysen: Wir geben erst eine Art Hör-Fahrplan und spielen die Hauptthemen an. Das macht manchen vielleicht Angst, aber hinterher sind die Leute umso begeisterter, weil sie die Raffinesse erkannt haben. Der Text im CD-Heft ist übrigens ähnlich angelegt.
KulturSPIEGEL: Wie übt man so ein Stück?
Tal: Das muss sich langsam entwickeln; erstes gemeinsames Kennenlernen, dann die ganze Feinarbeit, vor allem beim Tempo. Aber die beste Übung bleibt das Konzertieren. Was man 50-mal vor Publikum gespielt hat, dessen ist man einfach sicherer.
KulturSPIEGEL: Transkriptionen für Klavierduo sind ja aus der Blütezeit der Hausmusik reichlich vorhanden ...
Groethuysen: Fast die ganze große Orchesterliteratur, ja. Es existierten damals schließlich keine Schallplatten. Doch nur weniges klingt wirklich gut; das meiste ist stark vereinfacht, für Laien. So etwas braucht man nicht mehr aufzuwärmen. Dagegen die Bearbeitung der "Tannhäuser"-Ouvertüre von Wagner selbst - großartig, die zählt zu unseren Hits.
KulturSPIEGEL: Wählen Sie Ihr Repertoire etwa als Musikgeschichtspädagogen aus?
Tal: Eher weniger. Man lebt nur einmal; da möchte man doch, wenn es geht, nur das Beste spielen, was es gibt.
Interview: Johannes Saltzwedel
CD: "Max Reger: Suite op. 16; Sechs Stücke op. 94" (Sony SK 93102)