"Michaela Kaune singt Richard Strauss" (Berlin Classics)
Spätestens seit sie 1997 von der Deutschen Oper Berlin engagiert wurde, ist die Hamburgerin Michaela Kaune eine feste Größe bei Opern- und Konzertinsidern. Aber erst jetzt gibt die Dame mit dem sanften Piano und der schimmernden Mittel- und Höhenlage ihr Plattendebüt: in Orchesterliedern, die zum Schönsten für Sopran zählen. Ganz undivenhaft rein singt sie so, dass die Gefühlsstücke fast himmlisch deutlich erstrahlen.
"Rudolf Firkusny' spielt Haydn, Brahms und Schubert" (BBC Legends)
Wenigen ist sein Name noch geläufig. Dabei war der Mähre Firkusny' (1912 bis 1994), Schüler des großen Artur Schnabel, einer der nobelsten Klavierkönner seiner Epoche. Dieser Mitschnitt von 1969 zeigt ihn auf der Höhe seiner Kunst: Mit einem Anschlag, der den Flügel singen lässt, feiner Technik und unfehlbarem Tempogefühl macht er sich zum Diener der Werke, bis hin zu Schuberts tragisch zerklüfteter B-Dur-Sonate D 960.
Beethoven: "Violinkonzert und Violinromanzen" (Arte Nova)
Hier treffen sich zwei lustvolle Präzisionsarbeiter: Seine kompromisslosen Beethoven-Aufnahmen mit dem Tonhalle-Orchester Zürich haben David Zinman viel Lob beschert; der Geiger Christian Tetzlaff, seit Jahren Weltklasse, pflegt einen ähnlich luziden Stil. Gemeinsam verwandeln sie Beethovens grandiosen Rätselbrocken in die aus Monumentalem und Sentimentalem, Pathos und Lyrik gemischte Klanglandschaft, die er ist.
George Enescu: "Die Klaviersonaten und kleinere Stücke" (Avie)
Schon ihre erste Enescu-Aufnahme von 2003 mit den Klaviersuiten war ein Durchbruch für die Werke wie für Luiza Borac, ihre Interpretin. Nun vollendet die Rumänin auf zwei Hybrid-SACDs das pianistische Porträt dieses übermenschlich begabten Wanderers in den Stilwelten von Spätromantik, Impressionismus und Volksharmonik. Und wieder wird sie dem verblüffend Spontanen dieser Werke bestens gerecht.
Nicola Porpora: "Orlando" (K 617)
Im Musikleben seiner Zeit war der ruhelose Neapolitaner Porpora (1686 bis 1768) eine geachtete Figur. Ihm lieferte der junge Pietro Metastasio sein erstes Libretto: "Angelica". Für seine Neueinrichtung des zwischen weltlichem Oratorium und Oper schwankenden Stücks nach Ariosto hat Juan Bautista Otero allerdings drei Rollen gestrichen und die üppige Partitur in ein Psychodrama verwandelt. Als dessen Titelheld leistet der Countertenor Robert Expert Erstaunliches.
Franz Schubert: "Klaviersonaten a-Moll D 845 und c-Moll D 958" (Sony)
Bezaubernd und wahnhaft, naiv und bedrohlich können Schuberts späte Sonaten klingen - das verlangt vom Pianisten höchste Konzentration. Amir Katz, 32, hat jede Note durchdacht und lässt nun das Harsche und Gespenstische der Stücke umso klarer hervortreten. Ein fulminanter CD-Einstand für den Israeli, der im April eine kleine Tournee durch Nordrhein-Westfalen absolviert.