Klassik: Visionär des Gesprächs - DER SPIEGEL
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Klassik Visionär des Gesprächs

Der russische Pianist Konstantin Lifschitz macht aus Konzerten Dialoge der Klangwelten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Er weiß selbst kaum zu sagen, wie das alles so schnell gekommen ist: Kaum war Konstantin Lifschitz mit 18 Jahren ganz allein von Moskau nach London gezogen, galt er bei Klavier-Enthusiasten im Westen auch schon als Geheimtipp. Niemand in seinem Alter spielte mal eben Bach, Schumann und Skrjabin an einem Abend; er hatte das schon 1990 für sein Schallplattendebüt getan ­ und den filigranen Meditationen dabei verborgene Verwandtschaften abgelauscht. Es könnte an der grundsoliden russischen Schulung liegen: Bach ist für den heute 25-jährigen Lifschitz weiterhin die "Hauptschlagader" seines musikalischen Kosmos; mit einer überragenden Einspielung der "Goldberg-Variationen" begeisterte er schon vor einigen Jahren die Fachwelt. Genauso gern aber spielt er wild-vertrackte Préludes von Rachmaninow, Konzertgiganten von Brahms und Tschaikowski oder gar (wie jüngst in Mainz) die minimalistischen "Variationen" von Anton Webern. "Es ist eigentlich eine Katastrophe", sagt er mit dem freundlichsten Lachen der Welt. "Aber ich kann mir nun mal Bach ohne Schumann oder Beethoven ohne Schostakowitsch nicht vorstellen." Soll heißen: Der Visionär, der Werke übt und abhorcht, bis sie eine Gestalt haben, entdeckt dabei immer wieder, wie entfernte Klangwelten aufeinander antworten. Ob es mit seinem Sprachtalent zu tun hat? Erst vor ein paar Wochen ist Lifschitz nach Berlin gezogen ­ aber Deutsch spricht er schon jetzt fließend und beinahe akzentfrei.

Johannes Saltzwedel


Konstantin Lifschitz spielt beimy "Braunschweig Classix" Festival  am 12. und 14. Juni in der Augusteerhalle der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel den ersten Teil von Johann Sebastian Bachs "Wohltemperiertem Klavier" parallel zu den "Präludien und Fugen" von Dmitrij Schostakowitsch. Karten: Tel. 0531/22 21 11. ­ Auf zwei Doppel-CDs der Firma Palexa ist Lifschitz live mit einem Schubert-Programm und einem Konzertabend (Bach, Beethoven, Byrd, Schumann) zu hören; Vertrieb über "Zauberflöte" München, Tel. 089/22 51 25.