Laika Poetische Raumfahrer
Als Laika 1994 ihr erstes Album herausbrachten, brach das Duo aus London einem neuen Genre die Bahn: Ein Kritiker erfand damals für den Elektronik-Rock von Margaret Fiedler und Guy Fixsen den Begriff "Post-Rock". Mit ihrer dritten Platte "Good Looking Blues" entfernen sich Laika aber von der instrumentalen Beliebigkeit anderer Post-Rock-Bands. "Diese Platte dreht sich ganz um die Stimme", sagt Guy. "Es ist unser erstes Album ganz ohne Instrumentaltitel. Das ist eine Reaktion darauf, was aus 'Post-Rock' geworden ist." Womit Guy seiner Partnerin Margaret das Stichwort liefert. In ungebrochenem Redefluss schießt sie maschinengewehrartig mit Wortsalven um sich und beklagt sich dabei über die Musik von heute: "Als wir mit dieser Fusion aus Digitalem und Analogen, Computer und Organischem, Altem und Neuem angefangen haben, war das neu und spannend. Heute ist es zum Allgemeinplatz geworden. Es ist nur noch langweilig und frustriert mich einfach."
Vor allem bricht die muntere Amerikanerin - immer noch eine der ganz wenige Frauen, die Synthesizer und Sampler bedienen - eine Lanze für die in diesen elektronischen Zeiten fast schon überholt geglaubte Kunst des Songwritings: "Nachdem die ersten, vorwiegend instrumentalen Platten von Tortoise und uns erschienen sind, haben sich anscheinend alle gedacht: 'Wunderbar, endlich brauchen wir keine Texte mehr zu schreiben, das war eh immer das Schwerste.' Das macht mich traurig, vor allem, weil es letztlich nur Faulheit ist. Nur ganz wenige können es sich leisten, auf Vocals zu verzichten - Miles Davis etwa, der hatte seine Trompete. Aber viele von diesen Post-Rockbands hatten einfach keinen herausragenden Instrumentalisten, der jene Emotionalität erschaffen kann, die ein Sänger vermittelt."
Außerdem ergänzen Laika auf "Good Looking Blues" nicht mehr wie auf früheren Platten Guys Gitarre allein mit elektronischen Instrumenten. Bassist John Frenett, Drummer Lou Ciccotelli und Flötistin Louise Elliott gehören mittlerweile zur erweiterten Stammbesetzung der Band. Und Guy Fixsen hat sein Trompetenspiel perfektioniert und wandelt inzwischen sicher in den schrägen Spuren des Laika-Fusionvorbilds Miles Davis. "Wir haben das Album praktisch zweimal aufgenommen", sagt Margaret. "Zuerst auf unseren Hard-Disc-Recordern - damit waren wir aber nicht zufrieden. Also sind wir ins Studio gegangen und haben die Songs noch einmal mit Musikern eingespielt. Das hat uns nicht davon abgebracht, Loops immer noch zu mögen, aber wir finden es viel interessanter, wenn diese Loops von Menschen statt vom Computer gespielt werden."
Die zehn Songs kombinieren derart melodische Soundscapes zwischen Jazz und Hip-Hop mit traditionellen Songstrukturen. Schon der Opener "Black Cat Bone" entwickelt aus diesem Konglomerat einen fast magischen Sog. "Uneasy", der schönste Song des Albums, schließt nahtlos an: Dunkle Musik und schwarzer Humor im Text vereinen sich zu akustischen Alptraumbildern, die aber weniger furchterregend als cool und elegant daher kommen. Neben diesen surrealistischen Songs ohne Erdenschwere kommt aber auch die radikal experimentelle Seite der beiden musikalischen Sphärenforscher nicht zu kurz, so im elektronisch frickeligen Titelstück und vor allem in "Widows Weed", der Laika-Hommage an Miles Davis' "Bitches Brew".
Laika: "Good Looking Blues" (Too Pure)
Tour-Daten:
13.03.2000: München - Atomic Café, 17.03.2000: Berlin - Knaack, 18.03.2000: Hamburg - Logo, 19.03.2000: Dresden - Starclub, 21.03.2000: Köln - Gebäude 9, 28.03.2000: Würzburg - AKW, 29.03.2000: Frankfurt - KOZ