Matchbox Twenty Geld, Glück und Gitarren
Rob Thomas hat ein Problem. Nicht mit dem Ego, obwohl seine Band Matchbox Twenty zehn Millionen vom Debütalbum "Yourself Or Someone Like You" verkaufte und ein Jahr lang durch ausverkaufte Hallen tourte. Nicht mit den Kollegen, obwohl die danach mit ansehen mussten, wie ihr unermüdlicher Sänger durch einen Song berühmt wurde, mit dem sie nichts zu tun hatten. Er schrieb Santana den Sommerhit "Smooth" und heimste drei Grammys dafür ein. Doch auch mit dem Erfolg hat Thomas kein Problem, obwohl er neuerdings Angebote aus Hollywood erhält und sich in keinen Supermarkt mehr traut ("Ich lasse mich nicht gerne von kleinen Mädchen ankreischen").
Rob Thomas hat ein Problem mit sich selbst. Er ist nämlich nicht attraktiv genug, verglichen mit seiner Frau Marisol. Glaubt man Robs Erzählungen, so ist sie eine Göttin, die nicht nur wunderschön, sondern auch unglaublich lieb, intelligent und eigenwillig ist. Marisol ist die Liebe seines Lebens, und Thomas redet gerne über sie. Und er singt auch von fast nichts anderem mehr.
Auf dem zweiten Album "Mad Season By Matchbox Twenty" ist nur noch wenig zu finden von der gefälligen Mischung aus "teenage angst" und Zorn, der das Debüt der Amerikaner ausmachte. Vorbei die Zeit, als die Hits "Push" hießen oder davon handelten, dass die wirkliche Welt einen doch bitte in Ruhe lassen solle. Vorbei, vorbei. Oder? "Eigentlich wollten wir ein glückliches Album aufnehmen, mit lauter positiven Songs", sagt Thomas und muss über das Ergebnis lachen.
Denn die Lieder drehen sich um Lügen, Einsamkeit und die Angst vorm Verlassenwerden - nicht gerade so, als seien sie von einem Mann geschrieben, der sich selbst als "lucky guy" bezeichnet. "Als ich Marisol kennen lernte, dachte ich anfangs eben immer nur daran, was ihr an mir nicht gefallen wird und wieso das mit uns gar nicht klappen kann", erklärt Thomas und gibt zufrieden zu Protokoll: "Jetzt sind wir verheiratet, und wo ich auch hingehe, sie kommt mit. Marisol ist mein größtes Glück."
An zweiter Stelle auf der Glücksbringer-Skala stehen Matchbox Twenty, denen es immerhin gelungen ist, unter dem immensen Erwartungsdruck nicht zusammenzubrechen. Stattdessen schöpfen sie aus dem Vollen: "Mad Season" strotzt nur so vor Streichern, Bläsern und Songs, die größer kaum angelegt sein könnten. Es scheint, als haben sich hier fünf Freunde gefunden, die nicht an ihren Fähigkeiten zweifeln und alles ausprobieren wollen, weil sie jetzt die Chance dazu haben. "Genügend Geld für ein Orchester hier und da und etliche Studio-Überstunden hatten wir ja", freut sich Thomas.
Das Ergebnis wirkt zwar zum Teil etwas überfrachtet, einige potenzielle Hits sind allerdings auch wieder dabei: "Last Beautiful Girl" handelt von der Rache eines gebrochenen Herzens, "If You're Gone" ist eine Ballade zwischen Resignation und Aufbäumen gegen das Schicksal. So klappt's auch mit den Charts - und alles weitere ist ja sowieso schon gelungen im Leben des Rob Thomas. Das Glück ist wohl tatsächlich mit den Tüchtigen.
Matchbox Twenty: "Mad Season By Matchbox Twenty" (Eastwest)