Mit 17 hat man noch Träume - DER SPIEGEL
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Mit 17 hat man noch Träume Mit 17 hat man noch Träume

Der Sänger Yusuf Islam, 60, über sein Leben als Cat Stevens und seine Rückkehr zum Pop.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

KulturSPIEGEL: Mit 17 hat man noch Träume. Erinnern Sie sich?

Yusuf Islam: Eine spannende Frage, denn ich habe das Gefühl, dass ich eigentlich nie älter als 17 geworden bin. Natürlich bin ich erwachsen, aber auf die Welt schaue ich immer noch wie ein 17-Jähriger. Ich habe ein ereignisreiches Leben gehabt, aber der Optimismus, den ich damals empfand, hat mich nie verlassen.

KulturSPIEGEL: In dem Alter kam auch Ihre Karriere in Großbritannien langsam in Fahrt.

Yusuf Islam: Nicht langsam, sondern sehr rasant! Ich trat bei Konzerten vor Unmengen schreiender Mädchen auf und ein Jahr später im Fernsehen bei "Top of the Pops" vor Millionen Zuschauern. Das war natürlich alles drastisch, aber letztlich war ich nicht überrascht, ich hatte meinen Erfolg immer erwartet. Ich war 15, als mein Vater mir meine erste Gitarre kaufte, ein italienisches Imitat namens "Echo" für acht Pfund in einem Laden in der Denmark Street. Darauf komponierte ich meine ersten Lieder.

KulturSPIEGEL: Ihr Vater war ein zypriotischer Wirt mit einem Restaurant in der Londoner City. Hoffte er, dass Sie den Laden mal übernehmen?

Yusuf Islam: Das wäre wohl ein natürlicher Vorgang gewesen, wenn der Sohn den Familienbetrieb übernimmt. Ich wurde dafür ausgebildet. Musste kellnern, kochen, den Boden wischen, den Abwasch machen, die Gläser polieren. Aber mir war dabei immer klar, dass das nicht mein Leben sein würde. Ich sehnte mich nach der großen Welt da draußen. Die Straßen unserer Gegend waren voll mit Theatern und Kinos, außerdem war ich von Fernsehen und Musik fasziniert, diese glitzernde Welt zog mich magisch an.

KulturSPIEGEL: Sie wurden als Cat Stevens berühmt, nennen sich nun Yusuf Islam, sind aber einst als Steven Georgiou auf die Welt gekommen. Nennt Sie noch jemand Steven?

Yusuf Islam: Erst neulich habe ich Van Morrison getroffen, der mich mit einem vergnügten "Hey, Steven!" begrüßte. Ich sagte: Freut mich auch, aber ich heiße jetzt Yusuf! Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, nennen mich gelegentlich noch mal Steve, aber das ist natürlich die Ausnahme. Mein ursprünglicher Nachname war kompliziert auszusprechen und für eine Popkarriere denkbar ungeeignet. Cat klang da sehr viel eingängiger.

KulturSPIEGEL: Sie erkrankten 1968 schwer an Tuberkulose. Dachten Sie damals ans Aufhören?

Yusuf Islam: Ich wäre beinahe gestorben. Mir wurde bewusst, wie kostbar und fragil unsere Existenz ist. Und wenn man so direkt mit dem Tod konfrontiert wird, grübelt man natürlich, was danach kommen könnte. Ich entdeckte mein Interesse für östliche Religionen, ließ mich vom Beatle George Harrison beeinflussen.

KulturSPIEGEL: Nachdem Sie 1977 Ihre Popkarriere als Cat Stevens beendeten und als Yusuf Islam zum Islam konvertierten, verkauften Sie alle Ihre Instrumente. Haben Sie das je bereut?

Yusuf Islam: Nie, Gitarren gibt es wie Sand am Meer. Bei mir werden es sogar immer mehr. Ein großer Gitarren-Hersteller schickt mir jeden Monat ein neues Modell. Ich weiß gar nicht mehr, wohin damit.

KulturSPIEGEL: Sie haben vor kurzem wieder eine neue Platte gemacht. Was hat Sie nach so langer Auszeit zur Rückkehr in die Popwelt bewogen? Geldsorgen haben Sie wohl kaum.

Yusuf Islam: Stimmt. Ich hatte vielmehr das Bedürfnis, die Kommunikation mit der Außenwelt wieder aufzunehmen. Über mich kursierten viele abenteuerliche Geschichten, und zu all dem zu schweigen fiel mir zunehmend schwer. Als europäischer Muslim wollte ich meine Stimme erheben, denn es ist ja nun mal so, dass ich noch einen Namen in der Welt habe.

KulturSPIEGEL: Wie oft werden Sie auf der Straße erkannt?

Yusuf Islam: Regelmäßig werde ich begrüßt, und das ist doch sehr nett. Etwas anstrengend ist es vor meinem Haus geworden, seit da eine riesige Reklametafel mit meinem Konterfei steht. Ich traue mich kaum noch raus. Aber das gehört nun mal zum Geschäft.

INTERVIEW: CHRISTOPH DALLACH


Yusuf Islam hat gerade das neue Album "Roadsinger" (Universal) veröffentlicht.