Monster Magnet: Kein Rap, kein Krawall - DER SPIEGEL
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Monster Magnet Kein Rap, kein Krawall

Die Zeiten des halluzinierten Drogenrocks sind passé. Auf ihrem neuen Werk "God Says No" puzzlen Monster Magnet den Heavy-Sound der Zukunft zusammen.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ist es wirklich einfach nur Rockmusik? Zumindest Tocotronic haben dies behauptet, als sie Monster Magnet in ihrem Song "Es ist einfach Rockmusik" als Vorbilder würdigten, übrigens in einem Atemzug mit Led Zeppelin. Das passt wiederum, denn gerade Monster-Magnet-Songschreiber Dave Wyndorf dürfte seine Led-Zep-Sammlung mehr als einmal rauf und runter gehört haben, bevor er sich Anfang der Neunziger selbst ins Musik-Business wagte: Schwerer Bluesrock mit brachialen Gitarren, viel Wah Wah-, Space- und Psychedelia-Effekten, bei denen auch Pink Floyd-Urmitglied Syd Barrett mal grüßen ließ, bestimmten den Sound der Band aus New Jersey. Dass so mancher Song sich nicht nur so anhört , als ob er unter dem Einfluss halluzinogener Mittelchen entstanden ist, dürfte wohl mehr sein als nur ein Gerücht.

Nachdem Wyndorf allerdings angesichts unangenehmer Nebenwirkungen die Finger von den Drogen ließ und das Album "Powertrip" dementsprechend plötzlich mit straightem Rock glänzte, ist eine neue Epoche in der Bandgeschichte angebrochen, die nun mit der CD "God Says No" um einige interessante Kapitel erweitert wird. Neben dem üblichen verzerrten Spacerock ("Gravity Well") und bekannt furiosem Gitarrenlärm ("Take It") zitieren Monster Magnet im Titelsong eindringlich die Doors, klingen beim punklastigen "Kiss Of The Scorpion" wie die Stranglers mit Jello Biafra als Sänger oder lassen die "Leapin Lizards" zu swingenden Rockabilly-Gitarren tanzen.

Als wollte die Band klar machen, dass diese CD eine Suche nach dem besten Weg in das neue Rock'n'Roll-Jahrtausend ist (und weniger ein "majestätischer Höllenritt", wie die Plattenfirma verspricht), experimentieren sie ("Queen Of You") mit verhangenem Gothicrock, greifen die auf den Vorgängeralben schon angedeuteten Surf-Einflüsse immer wieder auf und lassen sogar mal billige Drumcomputer nebst Orgel durch die Songs rumpeln - Elemente, die sonst eher für die genialen Spinnereien von Blur herhalten müssen.

Fragt sich bloß noch, wohin diese ziemlich spannende Suche letztlich führen wird. Josh Homme von den Queens Of The Stone Age, einer Band also, die stilistisch gesehen nicht allzu weit entfernt von Monster Magnet ihre Kreise zieht, kündigt seinen Zuschauern gern ein schlichtes Rock-Konzert an, denn: "Wir machen keinen Krawall und wir rappen nicht." Diese Definition beschreibt Monster Magnet wunderbar, und so behalten Tocotronic zumindest teilweise recht: Es ist Rockmusik - aber nicht einfach.

Monster Magnet: "God Says No" (A&M/Motor/Universal), veröffentlicht am 30. Oktober 2000