Morgan Mama, Papa und Miss Parker
Morgan orgelt. Bevorzugt auf einem Gerät von gestern: einer uralten Hammondorgel, die davor dem Who-Frontmann Pete Townshend gehörte. Passenderweise ist sein Debüt-Album "Organized" auch auf dem französischen Label Source erschienen, das neben Air schon eine ganze Reihe anderer retrovertierter Menschen wie etwa Alex Gopher und jüngst die Band Phoenix ausgegraben hatte.
Auf Morgan wurden die Franzosen durch "Miss Parker" aufmerksam: die erste Single, die Morgan Anfang 1999 im Eigenverlag in einer Auflage von gerade mal 3000 Stück unter die Leute brachte. Aufgenommen hatte er die Nummer in seinem Heimstudio, das er sich in den vergangenen Jahren vor allem auf Flohmärkten zusammengekauft hatte. Schmuckstück der Ausrüstung ist dabei eben jene Hammondorgel. Weil Papa Billy Nicholls als musikalischer Leiter der wieder vereinten Who arbeitet und Mama Annie mit Townshends Frau schon die Schulbank drückte, konnte sich Sprössling Morgan das Gerät für den Schnäppchenpreis von 2000 Pfund sichern.
Überhaupt ist das gesamte Album, für das Morgan seine Kompositionen unter der Anleitung von Beastie-Boys-Produzent Mario Caldato noch einmal im großen Tonstudio neu eingespielt hat, eine ziemliche Familienangelegenheit: Vater Billy singt genauso mit wie Schwester Amy und Cousine Rose. Und sogar der 15-jährige kleine Bruder William. Der legte mit einem heimlich im Erdkundeunterricht auf Walkman aufgenommenem Rap, in dem er über die langweilige Lehrerin Miss Parker herzog, sogar den Grundstein für Morgans Durchbruchssingle. Ziemlich unfreiwillig, denn Schwester Amy hatte ihm das Tape heimlich gemopst und es Morgan vorgespielt. Von den musikalischen Aktivitäten des großen Bruders hält HipHop- und Hilfiger-Fan Willie nämlich reichlich wenig, auch wenn der auf seinem "Unbreak My Heart" ganz freiwillig den hinlänglich bekannten Hit von Toni Braxton nachsingt. Eine genauso wild zusammen geschnipselte Collage wie jener Minimal-Reggae-Song über Frau Parker oder "Tom Jones", bei dem Ansagen des "Tigers" aus einem Konzertmitschnitt gesampelt und mit Morgans Orgelsounds unterlegt wurden.
Vor allem in der ersten Hälfte sind auf der CD aber auch "ordentliche" Songs zu hören: "Flying High", die erste Single, klingt wie ein uralter Werbespot von British Airways, "Sitting In The Sun" ist ein fröhliches Pop-Liedchen mit dezentem Sixties' Psychedelic-Einschlag. Richtig kuschelig wird's im Instrumental "Soul Searching", das kleine Anleihen an "A Whiter Shade Of Pale" und den Klangbombast alter Schmachtfetzen macht. Fest steht: der Hammond-Heimwerker Morgan hat Witz und flippige Ideen. Und vor allem: Er ist ziemlich organisiert.
Morgan: "Organized" (Source/Virgin), veröffentlicht am 4. September 2000