Morrissey mag kein Crowdfunding - DER SPIEGEL
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Klare Ansage: Die Würde des Popstars ist antastbar

Foto: Ettore Ferrari/ picture alliance / dpa

Morrissey und Crowdfunding You Just Haven't Earned It Yet, Baby

Morrissey, Sänger der Britpop-Titanen The Smiths, findet keine Plattenfirma für sein neues Album. Crowdfunding lehnt er ab - unwürdig! Immerhin hat sein Ex-Kollege Johnny Marr einen Smiths-Klassiker neu eingespielt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Früher konnte es für etablierte Künstler, die unter Publikumsschwund leiden, schnell eng werden. Wenn sich für ein neues Werk kein interessiertes Label fand, lief eine Karriere schon mal auf Sand. Aber das ist analoge Vergangenheit.

In der schönen, neuen digitalen Welt gibt es Crowdfunding, eine Art virtueller Kollekte, mit der mittellose Künstler sich neue Projekte von treuen Fans finanzieren lassen und so die althergebrachte Industrie lässig überspringen.

Was für Außenstehende lachhaft klingen mag, schwemmte nicht wenigen Musikern bereits Millionen in die Kassen. Auch die Amerikanerin Amanda Palmer sammelte so einen Millionenbetrag für ihr letztes Album via Crowdfunding ein. Eben deshalb riet Palmer in einem offenen Brief  nun auch ihrem Idol Morrissey, diesen Trick zu übernehmen.

Denn erstaunlicherweise findet sich keine Plattenfirma, die das nächste Solo-Werk des Britpop-Titans veröffentlichen mag. Was vermutlich einerseits daran liegt, dass der streitlustige Exzentriker längst nicht mehr so viele Tonträger absetzt wie früher, und andererseits daran, dass Stephen Patrick Morrissey eben ein sehr anstrengender Klient sein kann.

Von allen Firmen abgewiesen

Bei seinem letzten Plattenlabel Harvest beendete man die Zusammenarbeit mit dem Künstler entnervt nur drei Wochen nach Veröffentlichung des letzten Album "World Peace Is None Of your Business". Wie gesagt, der Mann ist schwierig.

Aber selbstverständlich ist Crowdfunding unter Morrisseys Würde, was er nun in einem Interview mit der spanischen Zeitung "El Pais"  klarstellte. Er räumte zwar ein, von allen Labels, die er kontaktierte, abgewiesen worden zu sein, aber kanzelte Crowdfunding dennoch als "verzweifelt" ab. Fortsetzung folgt.

Wirklich klamm wird der Brite, der von seinen Fans Mozzer genannt wird, ohnehin nicht sein. Die Platten mit seiner alten Band The Smiths, die allesamt längst als Klassiker gelten, verkaufen sich immer noch blendend.

Und wenn Morrissey wirklich mal pleite wäre, würde eine Smiths-Reunion Millionen in die Taschen aller Beteiligten spülen. Ex-Kollege Johnny Marr, der andere Hauptdarsteller bei The Smiths, hat mehrfach betont, dass er an Bord wäre, wenn Morrissey die Hand hebt. Aber das scheint unwahrscheinlich.

Zu tief sitzt Morrisseys Abneigung gegen die anderen drei. Als Trostpreis veröffentlichte Marr beim letzten Record-Store-Day eine limitierte Single mit einer schönen Solo-Live-Version des Smiths-Klassikers "Please, Please, Please, Let Me Get What I Want".

Die Platte ist zwar nur noch für Traumpreise zu haben, was den Gitarristen sehr erbost , aber der Musik kann man noch für lau bei Soundcloud lauschen .