MP3, Guns N' Roses, Ry Cooder, Olympia - DER SPIEGEL
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Pop!: Reiner Klang, reine Abzocke

Foto: Carlos Alvarez/ Getty Images

Pop! Olympia-Einladung für einen Toten

Jeder nutzt sie, viele verteufeln sie: MP3s bestimmen den Klang der Musik im digitalen Zeitalter. Nun hat ein Professor ein unterhaltsames Buch über das Format geschrieben. Auf welche Antworten das Netz noch wartet: Welche Musik muss man gehört haben? Und wer wollte nicht bei Olympia auftreten?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dünner Klang

An MP3s schieden sich von Anfang an die Geister. Für die einen sind sie der Untergang der Musik, für andere die Zukunft. Manche schätzen ihren Klang, viele verabscheuen ihn. Fest steht, dass MP3s im digitalen Zeitalter den Umgang mit Musik entscheidend prägen und die Rezeption von Musik radikal verändert haben. MP3s füllen Speicherplätze in Smartphones und Gott weiß was für mobilen Abspielgeräten. Überhaupt scheint jedes nur denkbare Lied als MP3 nur ein paar Klicks im Internet entfernt. Aber MP3s sind seltsam: Man kann sie nicht in die Hand nehmen, nicht in Hüllen stecken, und ins Regal stellen kann man sie auch nicht. Viele Party-Plaudereien laufen letztlich auf die große Frage hinaus, wie sehr die datenkomprimierten MP3s unser Hörvergnügen schrotten. Als Beispiel für reinen Klang dient Spezialisten gern die A-capella-Version von Suzanne Vegas Song "Tom's Diner". Dass dessen Klang auch frisiert wurde, dürfte manche Puristen schocken. Diese und andere unterhaltsame Geschichten finden sich in dem neuen Buch zum Thema "MP3: The Meaning Of A Format" des amerikanischen Universitätsprofessors Jonathan Sterne. Ein unterhaltsames Gespräch mit dem Autor bietet Pitchfork.com. 

Frische Ohren

Wie wirkt Musik auf einen erwachsenen Menschen, der zum ersten Mal überhaupt hört? Genau das beschäftigt derzeit einen Knaben, der taub zur Welt kam, aber nun, dank eines neuen Hörgerätes, überraschend seine Ohren nutzen kann. Jetzt stellte dieser Austin Chapman  im Internet die Frage, welche Musik er nachholen muss, was er sich unbedingt anhören sollte. Als Zwischenergebnis hat er eine Top 5 seiner überwältigendsten Hörerlebnisse aufgestellt. Auf dem ersten Rang landete nicht ganz überraschend Mozart, aber dass es die sensiblen isländischen Kunst-Rocker von Sigur Rós auf Platz drei schafften, ist umso erstaunlicher. Aber weil die Welt für ungeübte Ohren wohl überwiegend schrill klingt, stellt der Neu-Hörer Chapman sein Gerät, so oft wie es geht, einfach ab und genießt die Stille.

Melodische Gene

Wem das gemeine Musikangebot zu trist ist, kann neuerdings seine DNA zum Klingen bringen. Klingt irre, scheint aber wahr zu sein. Die Firma 23andME  bietet tatsächlich an, individuelle Gene in Melodien zu verwandeln. Wer so was reizvoll findet, ist mit 299 US-Dollar dabei.

Gezähmte Rocker

Spätestens seit ihrem desaströsen Werk "Chinese Democracy" gelten die einst respektablen Rocker von Guns N'Roses als schlechter Witz. Nun bestätigen Axl Rose und seine Gang ihren Abwärtstrend mit einem längeren Engagement in Las Vegas, wo sie nun in angemessener Gesellschaft sind, mit Celine Dion zum Beispiel. Tickets  für den Quatsch gibt es ab dieser Woche online.

Unwillige Künstler

Jetzt wo der Olympia-Zirkus vorbei ist, kommt raus, welche Künstler  sich gedrückt haben. So lehnten David Bowie, Kate Bush, die Rolling Stones und die Sex Pistols dankend ab, an der Abschluss-Zeremonie teilzunehmen. Who-Schlagzeuger Keith Moon ließ seine Olympia-Einladung unbeantwortet. Er starb 1978.