Musik Dido
Vor Jahren schickte sie ihrem Freund Bob regelmäßig Trost-Postkarten aus der weiten Welt, die Dido als Sängerin der britischen Band Faithless bereiste. Wochen, Monate war sie unterwegs, und wenn sie zurückkam, musste Bob die Karten wieder rausrücken. Denn ihre schönsten Sätze waren viel zu gut, um auf alten Postkarten in Schreibtischschubladen zu enden. Dido Armstrong, 28, machte Songs daraus.
Einige dieser Songs sind nun auf ihrem Debütalbum "No Angel" zu hören. Das Werk war in den USA der Überraschungserfolg der Saison, und Dido ist längst schon wieder weg von Bob, um im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Werbung in eigener Sache zu machen.
Schuld an allem ist der Musik-Mogul Clive Davis, der eine Demo-Kassette von Dido gehört und die hübsche Londonerin zum Vorsingen in eine Hotelsuite geladen hatte. Ein Termin, wie ihn sich alle Hoffnungsvollen wünschen, denn Davis ist eine der großen Legenden im Musikgeschäft: Carlos Santana, Patti Smith, Whitney Houston sie alle verdanken ihm ihre Karriere. Und nun Dido. Ihre gepflegten melancholischen Pop-Balladen soll er damals beim Vorspielen im Hotel direkt mitgesungen haben.
Als Didos Debütalbum vor eineinhalb Jahren zum ersten Mal in den USA erschien, erwies es sich trotzdem als Flop. Davis und die Plattenfirma aber glaubten an das Talent der jungen Britin, platzierten ihre Songs in Fernsehserien und Kinofilmen und schickten sie auf Ochsentour durch die amerikanische Provinz: Dido spielte für lokale Radiosender und trat in miesen Kleinstadtclubs auf. Doch erst nachdem der US-amerikanische HipHop-Superstar Eminem ihren Song "Thank You" entdeckte und für seine düstere Ballade "Stan" sampelte, begann ihr Aufstieg. Die hartnäckige Arbeit hat sich ausgezahlt: Inzwischen hat die Plattenfirma Didos Album in den USA mehr als eine Million Mal verkauft. Ein Coup, von dem andere britische Popstars nur träumen können.
Aufgewachsen ist Dido Armstrong in London als Tochter eines Literatur-Agenten. Mit sechs ging sie auf eine Musikschule, lernte Klavier, Violine und Blockflöte. Später studierte sie in London Jura. Erst ihr großer Bruder Rollo, Gründer der Band Faithless, konnte sie zum Abenteuer Pop überreden.
Nach dem Triumph in den USA soll nun Europa folgen. Zum Kartenschreiben bleibt da keine Zeit mehr. Dafür hat sie nun ein Handy. Wahrscheinlich muss ihr Freund Bob jetzt ihre Telefonate mitschreiben.
Christoph Dallach
Konzert: 31.1. Hamburg, Karten: Tel. 069/944 36 60. CD: "No Angel" (BMG Ariola).