Musik Eels
Den Vater fand der junge Mann tot auf dem Küchenboden Herzinfarkt. Die Schwester beging nach Jahren der Depression Selbstmord. Und die Mutter starb vor gut einem Jahr an Krebs. Der Musiker Mark Everett hat ein paar Gründe zu viel, traurige Songs zu schreiben über Sterblichkeit, Angst und Schmerz.
Seine Texte mögen traurig sein, die Musik aber, die Everett, 32, komponiert, klingt erstaunlich fröhlich und beschwingt: In seinen ausgefeilten Miniaturen kombiniert er HipHop-Beats mit Beatles-Harmonien, E-Gitarren mit Glockenspiel und nennt das Prinzip seines Songwritings "die Motown-Formel". "Beispielsweise der Smokey-Robinson-Klassiker ,The Tears of a Clown'", sagt er. "Die Geschichte ist zum Heulen, die Musik aber ist total aufgekratzt, und das Resultat dieser Kombination ist pure Magie. Das ist die Kraft von Pop: Die Dinge laufen grad nicht gut, aber ich werde es auf jeden Fall in den Griff kriegen man muss nur wollen!"
Die vertonten Seelenqualen des Künstlers haben vor allem die Kritiker beeindruckt. Die "Los Angeles Times" lobte ihn als "einen der hellsten Köpfe im Pop", kaum ein Journalist, der sich nicht ergreifen ließ von den manisch-schönen Songs. Doch das breite Publikum zeigt nach ein paar Anfangserfolgen nur Interesse.
Auch auf dem dritten Album seiner Band Eels "Daisies of the Galaxy" finden sich immer noch keine Hymnen auf das Leben, immerhin klingen die Songs versöhnlicher als früher. "Je länger man sich mit finsteren Themen auseinander setzt, umso mehr verlieren sie an Schrecken", sagt Everett, der anders als die Konkurrenz nie auf Schockeffekte gesetzt hat. "Der Rocker Marilyn Manson gilt den Medien als attraktive Ausgeburt der Hölle, dabei ist er nur eine Gruselkarikatur ein Mensch, der in seinem Leben noch nichts Bedrohlicheres erlebt hat als ein ,Kiss'-Konzert."
Dass ein nicht mehr ganz junges, nur mäßig aussehendes Trio von Nobodys mit einem Musiker an der Spitze, der nach Industriekriterien als Versager galt, ausgerechnet beim Entertainment-Konzern Dreamworks landen konnte, muss als Coup bewertet werden: "Vielleicht haben Dreamworks einfach mein Talent bemerkt!"
"Das Leben ist hart", singt er in einem Song, "und ich bin es auch." Vor einiger Zeit kam in den Niederlanden nach einem Konzert ein Junge zu Everett und bedankte sich für die Musik, die ihm sehr geholfen habe, den Tod seiner Mutter zu bewältigen. Das hat Everett sehr gefreut. Aus Tragödien, sagt er, können eben auch schöne Dinge entstehen.
Christoph Dallach
CD: "Daisies of the Galaxy" (Dreamworks/Motor); Tournee: 19.3. Hamburg, 20.3. Berlin, 21.3. München, 22.3. Köln. Infos: Tel. 030/ 53 63 82 00; Karten: www.tickets.de
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