Musik Femi Kuti
Die Generale mögen seine Lieder nicht. Weil sie laut und kräftig sind. Und weil er singt, was er für richtig hält. "Traut ihnen nicht, den Machthabern, denn sie nützen euch nur aus. Sie wollen euch nur ausbeuten. Sie wollen euch nur bluten sehen." Die Menschen im überfüllten "Maison de France" in Lagos aber lieben ihren Helden. Drei Stunden lang singen, tanzen, schreien ein paar tausend Fans, und wenn am Ende Femi Kuti , 37, "Beng Beng Beng" singt, regnet es Geldscheine auf die Bühne. Sie lieben ihn wegen seiner Musik, aber vor allem lieben sie ihn, weil er der Sohn Fela Anikulapo-Kutis ist und damit ein Feind der Herrschenden Nigerias. Als der Vater 1997 beerdigt wurde, begleiteten tausende von Menschen dessen Sarg durch die Straßen von Lagos. Fela Kuti war Popstar, Volksheld und Rebell. Er heiratete 27 Frauen an einem Tag, er rauchte öffentlich Gras, und er lebte in Lagos in einem eigenen kleinen Staat bis der General Obasanjo die "Kalakuta Republic" von Soldaten stürmen ließ. Kuti selbst erlitt einen Schädelbruch, seine Mutter starb an den Folgen ihrer Verletzung. Später legte er einen Sarg vor dem Hauptquartier des Militärs nieder. Ein Foto dieser Aktion zierte seine Platte "Coffin for Head of State" (Ein Sarg für das Staatsoberhaupt). So einer war Fela Kuti. Und so einer soll Femi sein. Doch der führt ein eher ruhiges und bescheidenes Leben: Er hat nur eine Frau und einen Sohn. "Ich bin nicht Fela", sagt Femi Kuti. "Wenn die Leute erwarten, dass ich wie mein Vater bin, muss ich sie enttäuschen." Der Sohn hat inzwischen aus eigener Kraft international Karriere gemacht. Vor kurzem wurde ihm in Monaco einer der begehrten World Music Awards verliehen zu den Preisträgern der diesjährigen Veranstaltung gehörten Weltstars wie Michael Jackson, Mariah Carey und die Backstreet Boys. Seine Songs erzählen vom afrikanischen Lebensgefühl, von Ohnmacht und Euphorie, von Armut und Protest. Und obwohl Kuti inzwischen schon mehrmals ausgeraubt wurde und sogar Attentatsversuche überlebte, denkt er nicht daran, die Heimat zu verlassen. "Warum sollte ich? Ich möchte, dass mein Sohn hier zur Schule geht. Und außerdem will ich mit meinem Leben ein Vorbild sein für die Nigerianer." Angst, dass ihm die Machthaber seine Lieder verbieten, kennt er nicht. "Wenn sie mir sagen, ich soll ruhig sein, werde ich nur noch lauter reden. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Wenn es passiert, singe ich: Beng, beng, beng ich fühle mich großartig." Manfred R. Dederichs
Konzerte: 30.6. Summer Jam, Köln; 29.6.2.7. Roskilde Festival /Dänemark; 15.7. Montreux Jazzfestival / Schweiz.