Musik: Lloyd Cole - DER SPIEGEL
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Musik Lloyd Cole

In den Achtzigern ein Popheld, in den Neunzigern vergessen ­ inzwischen versucht der britische Musiker sich auch als Senioren-Golfer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

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on der Bühne eines winzigen Hamburger Clubs begrüßte Lloyd Cole vor einigen Wochen das geladene Medienvolk schnippisch: "Schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind, aber wo waren Sie bei meinem Konzert vor fünf Jahren, als es Eintritt kostete?"

Damals hätte er in so einem kleinen Laden nicht mal seine Gitarren untergestellt. Aber seitdem ist viel passiert: Lloyd Cole, 39, hat seinen Abschlag beim Golf perfektioniert; er hat sich um seine Frau und die zwei Kinder gekümmert; und er hat sich endgültig von einer Karriere im großen Stil und einem zahlenden Publikum verabschiedet.

Egal. Glaubt Cole. Es hätte schlimmer kommen können. Immerhin sei er nicht einer dieser traurigen Vögel, die seit Ende der achtziger Jahre ihre alten Hits runterleiern müssen. "Anders als Bands wie Madness, Human League und Culture Club muss ich mich für nichts schämen." Lloyd Cole begnügt sich heute mit einem kleinen, aber begeisterten Publikum, ist also ­ und das sagt er mit mildem Hohn und gepflegter Melancholie ­ ein "Kultstar". Ein talentierter Verlierer, der seine Platten nur an Eingeweihte verkauft. Lloyd Coles neues Album "The Negatives" (XIII Bis/Indigo) erscheint, passend dazu, bei einer kleinen Firma und vorerst nur in Frankreich, Deutschland, vielleicht auch in der Schweiz. Ein Jammer, denn das Werk ist fabelhaft gelungen; spröder Gitarren-Pop, der beweist, dass Cole auch heute noch so großartig sein kann, wie er es schon damals immer behauptet hat.

Mitte der Achtziger galt Cole als Star: ein Dandy, ein verträumter Poet, der aussah wie der junge Brando und ausgestattet war mit einem Philosophie-Studium und einem Selbstbewusstsein, das sogar für einen Popstar gewaltig war. "Ich hatte schon immer eine hohe Meinung von mir." Coles Debütalbum "Rattlesnakes" verglichen die Kritiker mit den Platten von Lou Reed und Leonard Cohen. Auch der Nachfolger verkaufte sich prächtig, aber dann lief irgendetwas schief.

Cole trennte sich von seiner Band The Commotions, zog nach New York und fand auch dort wieder ein paar Pop-Manager, die in ihm immer noch den potenziellen Star der Neunziger sahen. Wieder einmal wurde viel Geld in Lloyd Cole investiert, wieder einmal hat es sich nicht gelohnt.

Sein Leben als Privatier hat Cole mit den Einnahmen durch "Best-Of"-CDs finanzieren können und einigen Beschränkungen in der Haushaltsführung. Doch sein Glaube an eine großartige Zukunft ist weiterhin ungebrochen. Allerdings nicht als Popstar, sondern als Golfspieler. "Bei den amerikanischen Senioren-Turnieren geht es um gewaltige Preisgelder", sagt Cole. "Und wenn ich Lust habe, haue ich da in den nächsten Jahren garantiert alle weg."

Christoph Dallach