Musik Medeski Martin & Wood
ohn Medeski ist 35, und dass er Jazz liebt, war lange ein Problem. Das Genre hatte in seiner Heimat USA irgendwann in den siebziger Jahren jeden Glamour und Biss verloren und schien nur noch Hippies und Rentner zu amüsieren. "Ich war zwölf, als ich Miles Davis, John Coltrane und Herbie Hancock entdeckte ein Außenseiter also in einer Zeit, in der die Bee Gees die Schulhöfe beherrschten", erinnert er sich.
Aber Geld machen konnte man damit: Ob auf Hochzeiten oder Beerdigungen, auf Bar-Mizwa-Feiern oder Kaufhauseröffnungen wo immer Medeski gebucht wurde und es ein paar Dollar zu verdienen gab, leierte er Entertainer-Standards wie "New York, New York" runter. Tagsüber studierte er Klavier, die Werke von Chopin und Mozart, nachts träumte er von richtigem Jazz und richtigen Abenteuern.
Der Spaß begann, als er Ende der Achtziger nach New York zog und als Erstes seinen Entertainer-Smoking in den Müll stopfte. Eine Entscheidung gegen Vernunft und Langeweile und für die Musik, die er liebte.
Billy Martin, Schlagzeug, und Chris Wood, Bass, traf er in den Clubs von Manhattan, wo sie bei jeder Gelegenheit vor sich hin improvisierten. Was den schnellen und erstaunlichen Erfolg von Medeski Martin & Wood ausmacht und wie man ihre Musik nennen soll, ist nicht so genau zu klären. Das Trio mischt afrikanische Rhythmen, coolen Orgel-Jazz, Soul, Blues, Rock und allerlei Variationen von Krach zu einem eindrucksvollen Sound. Das Bedrohliche und Infernalische ihrer Musik, sagt Medeski, sei genau das, was dem Jazz so lange gefehlt habe. Acid-Jazz nennen das die Journalisten, manchmal auch Groove- oder Grunge-Jazz.
Seit zehn Jahren gibt es nun dieses Trio, und es ist wohl ein glücklicher Zufall, dass der Jazz in dieser Zeit weltweit wieder an Relevanz gewonnen hat. Ob in London, New York oder Hamburg überall spielen und tanzen junge Menschen unter 30 diese Musik.
Ihren Ruhm verdanken MMW, wie sie von Fans genannt werden, aber wohl nicht nur ihrem Vertrag mit dem legendären Jazz-Label Blue Note, sondern vor allem ihren spektakulären Konzerten. Sie treten in Rock'n'Roll-Clubs auf zusammen mit Stars wie Beck, Underground-Hipstern wie Sonic Youth und HipHop-Crews wie A Tribe Called Quest.
"Eins ist wirklich wichtig: Man darf sich niemals wiederholen", sagt Medeski, und darum hat das Trio sein neues, neuntes Album "The Dropper" (Blue Note/EMI) von einem prominenten HipHop-Produzenten coproduzieren lassen und auch die Einladung angenommen, auf Iggy Pops jüngstem Album zu spielen. "Es geht doch immer nur um Energie und Ideen, egal ob Free-Jazz oder Punk-Rock so machen wir all die Jugendlichen glücklich, die schon immer davon geträumt haben, zu Jazz zu tanzen."
Christoph Dallach