Musik Paula
Mit ihrer ersten Single verhielt es sich wie mit diesem Sommer: Beide versprachen viel, beide kamen nicht in Fahrt. "Als es passierte", hieß das Stück der Gruppe Paula, es hatte eine beschwingte Melodie mit einer funkig gespielten Gitarre, eine schöne Frauenstimme sang zum Elektrobeat, es war wie programmiert für Cabriolets, für Strand und für Verliebte. Aber weil der Sommer so gar nicht in Fahrt kam, vermisste auch niemand einen Sommerhit. Aber nun wird alles gut: Der Spätsommer wird angeblich sonnig, die zweite Single "Jimmy" und Paulas Debüt-Album "Himmelfahrt" (Orbit/Virgin; Tournee im Oktober) werden hoffentlich ein Erfolg. Verdient hätten sie's. Paula nennt sich das Duo, bestehend aus Berend Intelmann, 27, und Elke Brauweiler, 26. Den beiden Wahl-Berlinern ist der (immer wieder spektakuläre) Coup gelungen, eine schöne deutschsprachige Pop-Platte zu zaubern. Eine Leistung, deren sie sich durchaus bewusst sind: "Es gibt hier keine Pop-Tradition. Wenn man deutschen Pop macht, hat man automatisch ein Image-Problem", sagt Intelmann. "Denn die Tradition in Deutschland, wenn man mal vom HipHop der vergangenen Jahre und einigen raren Ausnahmen absieht, heißt einfach Schlager." Aber sein Vokabular sei zu begrenzt, um gute englische Texte zu verfassen. Angeblich sei sich das Paar vor Jahren bei einem Konzert der Pet Shop Boys näher gekommen. Stimmt nicht, sagen sie, könnte aber stimmen: "Denn die Pet Shop Boys beschreiben ziemlich exakt unsere musikalischen Berührungspunkte: simple und traditionelle Elektro-Melodien mit traurigen Texten. Oder kurz: Melancholie mit Beat", erklärt Intelmann. "Aber nicht wie Depeche Mode, das ist viel zu düster", fügt Brauweiler hinzu. Die beiden haben eine Schwäche für den Elektropop der Achtziger, für Abba und Andreas Dorau, und sie sind die Ersten, die im allerorts so hochgejubelten Berlin mit einer wirklich tollen Platte auffallen. "Es gibt hier viele aufregende kleine Bands, gute Musik, die leider in so kleinem Rahmen stattfindet, dass sie jenseits der Stadtgrenzen keiner bemerkt." Zum Musikmachen sind die beiden, unabhängig voneinander, Mitte der Neunziger nach Berlin gezogen. Intelmann kommt aus einem Nest namens Klecken bei Hamburg er hat mal Schlagzeug gespielt in einer Band namens Hallelujah Ding Dong Happy Happy!. Brauweiler stammt aus dem Schwarzwald, hat 13 Jahre lang Bratsche studiert. In Berlin sind die beiden dann ein Liebespaar geworden, heute verbindet sie nur noch ihre Band. Das tut auch der Melancholie gut, also der Musik. Und die passt vielleicht sowieso viel besser in den Herbst. Christoph Dallach