Musik: Terri L. Carrington - DER SPIEGEL
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Musik Terri L. Carrington

Für den Führerschein war sie noch zu jung, als sie schon Jazz-Stars wie Dizzy Gillespie und Oscar Peterson am Schlagzeug begleitete.
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as sagen die Kollegen in der Macho-Welt des Jazz zu einer Frau am Schlagzeug? Terri Lyne Carrington antwortet diplomatisch: Sie habe den Eindruck, nach ihren Leistungen beurteilt zu werden. Dann sagt sie, dass "ein kreativer Künstler wie Herbie allem Neuen gegenüber aufgeschlossen" sein müsse ­ "auch gegenüber einer Drummerin". Mit Herbie meint Carrington, 36, ihren Bandleader Herbie Hancock.

Carrington ist der Kumpel-Typ Frau, unkompliziert, sportlich, Jeans und Rasta-Locken. Als sie sieben war, entdeckte sie im Keller ihres Großvaters ein Schlagzeug und fing an, darauf herumzutrommeln. Weil die Familie ihre kindliche Begeisterung für die Drums ganz natürlich fand, ist ihr erst später aufgegangen, dass sie anders war als die Mädchen in ihrer Klasse : Die lernten Klavier spielen, statt zischende Becken mit Stöcken zu traktieren.

Dass seine kleine Tochter leidenschaftlich trommelte, hatte Sonny Carrington nicht weiter verblüfft, aber dass sie für jede Musik instinktiv den richtigen Beat fand, brachte ihn zum Nachdenken. Und er konnte ihr Talent beurteilen: Sonny Carrington ist Saxophonist.

Also nahm er sein Wunderkind mit in Clubs im heimatlichen Boston. Terri durfte bei Stars wie Clark Terry, Dizzy Gillespie und Oscar Peterson mitspielen. Die Session mit dem Pianisten Peterson verhalf ihr zu einem Stipendium am Bostoner Berklee College of Music, der Eliteschule für aufstrebende Jungjazzer. Da war Terri elf. Und noch bevor sie ihren Führerschein machen konnte, war sie mit den Besten des Jazz aufgetreten. 1989 brachte Terri das erste Album unter ihrem Namen heraus. Ihre "Real Life Story" (mit Wayne Shorter und Carlos Santana) wurde mehr als 100000-mal verkauft und für einen Grammy nominiert. Dass Carrington anschließend auf CDs nur als Begleitmusikerin erschien, verwundert, zumal sie sich auch als Komponistin und Produzentin einen Namen machte. Aus dem Star sei eine "super side person" geworden, bedauerte die "Los Angeles Times". Tatsächlich gab es genug Arbeit für die trommelnde Alleskönnerin. So reiste sie beispielsweise mit Al Jarreaus Band durch die Welt. "Dabei hat es mir immer besonders in Europa gefallen", erzählt Carrington und schwärmt vom "Jazz Baltica"-Festival im holsteinischen Salzau. In Deutschland fand sie schließlich eine Plattenfirma, die wieder auf den Namen Terri Lyne Carrington setzt: Ihr neues Album "Jazz is a Spirit" wird weltweit exklusiv vom Feldafinger Label Act veröffentlicht. Und darauf wird sie nun von einem berühmten Jazzer begleitet: von der "super side person" Herbie Hancock, bis vor kurzem ihr eigener Bandleader.

Hans Hielscher


Tournee im April.