Neue DVDs im Dezember Tops und Flops
MUSIK
Talk Talk: "Live at Montreux 1986" (Eagle Vision)
Zu den faszinierendsten und geheimnisvollsten Bands der achtziger Jahre gehört diese Gang um den Sänger und Songwriter Mark Hollis. Nach einem Start mit klassischer Popmusik drifteten ihre Lieder zunehmend Richtung Avantgarde und Jazz. Dieses grandiose Dokument zeigt die scheuen Briten beim Montreux Jazz Festival mit Songs wie "Living in Another World". Was Perfektionist Hollis dieser Tage treibt, bleibt rätselhaft.
The Beatles: "All Together Now" (Apple)
Man muss wahrscheinlich ein sehr leidenschaftlicher Beatles-Verehrer sein, wenn man sich für eine Dokumentation über die Entstehung und Produktion des Cirque du Soleil namens "Love" begeistern kann. In der Kunst-Klimbim-Zirkus-Show in Las Vegas werden Songs der Fab Four von allerlei Artisten in Szene gesetzt. Wenn einen das interessiert, ist es amüsant zu sehen, was Paul McCartney und Ringo Starr beitrugen und wie die agilen Witwen Yoko Ono und Olivia Harrison zeternd die Crew auf Trab hielten.
B. B. King: "At Sing Sing Prison" (Chrome Dreams)
Nachdem er auf die alten Tage mit seiner aktuellen CD noch mal in die US-Charts rauschte, kann man den alten Blues-Meister in diesem Konzert-Film von 1972 im Knast bewundern. So wie Kollege Johnny Cash in San Quentin, spielte King damals für die Häftlinge von Sing Sing auf. Dort sorgte er mit Nummern wie "How Blue Can You Get" und "I Think You're Cheating on Me, Baby" für seltene Euphorie hinter Gittern, die heute noch beeindruckt.
Arctic Monkeys: "At the Apollo" (Domino)
Von all den jungen und wilden Talenten, die das britische Königreich dieser Tage so aufzubieten hat, ist Alex Turner aus Sheffield das vielversprechendste. Der Knabe, der es mit den Arctic Monkeys rasant in die Champions League schaffte und zuletzt mit einem Bombast-Orchester-Soloprojekt beeindruckte, bringt hier mit seiner Hauptband und tollen Hits wie "I Bet You Look Good on the Dancefloor", "Fake Tales of San Francisco" und "When the Sun Goes Down" Manchester in Stimmung.
FILM
Filth and Wisdom
Madonnas mit viel Tamtam auf der Berlinale vorgestelltes Regiedebüt über ein paar ziellose junge Leute in London war in Deutschland am Ende dann doch kein richtiger Kinostart vergönnt. Dabei ist ihr rauer Erstling durchaus charmant und teilweise sogar ganz witzig geraten. Die ständig beschworenen Weisheiten für ein besseres Leben sind manchmal aber so banal, dass es weh tut.
Die Erfindung des Verderbens
Karel Zeman beeindruckte mit seiner Verbindung aus Real- und Trickfilm einst etwa Monty Pythons Terry Gilliam, heute ist er leider nur noch Spezialisten bekannt. Mit dieser von Georges Méliès und alten Stichen inspirierten Jules-Verne-Verfilmung gelang dem tschechischen Meister 1957 ein Schlüsselwerk des phantastischen Kinos: antiimperialistisch und poetisch.
Kirschblüten - Hanami
Mehr als eine Million Zuschauer konnte Doris Dörrie mit diesem lustvoll verträumten Liebesdrama in die deutschen Kinos locken. Kein Wunder - die zwischen Bayern und Tokio spielende Geschichte vom Rentner Rudi, der erst nach dem Tod seiner Frau versteht, wie sehr er sie geliebt hat, ist so zärtlich und liebevoll erzählt, dass nicht mal gelegentliche Experimental-Tanzeinlagen negativ auffallen. Ein Film, der sein Herz vor sich herträgt.
Speed Racer
Den wohl spektakulärsten Kinoflop dieses Jahres leisteten sich die Wachowski-Brüder ("Matrix") mit dieser Verfilmung einer japanischen Rennfahrer-Comic-Serie. So gehört auch einiges dazu, die 135 Minuten wüst geschnittener Verfolgungsjagden in kompromissloser Lollipop-Optik am Stück durchzuhalten, wenig hilfreich ist auch die stumpfe Junge-gegen-Konzern-Handlung. Gleichzeitig zeigt sich hier in unverhohlener Künstlichkeit vielleicht das Kino der Zukunft. Trotz aller Makel bemerkenswert.