Neue DVDs im September Wildes Zeug
MUSIK
Lindsey Buckingham: "Live at the Bass Performance Hall" (Warner)
Reich und berühmt wurde er mit Fleetwood Mac. Bei diesem CD/DVD-Mitschnitt eines amerikanischen Konzerts vom vergangenen Jahr führt der streitbare und talentierte Songwriter neue Solo-Lieder und Band-Renner wie "Never Going back Again", "Tusk" und "Go Your Own Way" auf. Auch die Dokumentation "Not too Late" ist sehenswert.
The Specials: "The Best of the Specials" (Chrysalis)
Vor gut 30 Jahren begann die kurze, tolle und einflussreiche Karriere der britischen Ska-Erneuerer um Terry Hall und Jerry Dammers. Die dieser Hit-Sammlung beigefügte DVD enthält historische Clips von Klassikern wie "Gangsters", "A Message to You Rudy" und "Ghost Town". Auf ihre für diesen Herbst in Aussicht gestellte Reunion-Tournee in Originalbesetzung darf man gespannt sein.
Wu-Tang Clan: "8 Diagrams" (WU Music Group)
Nachdem diese unberechenbare HipHop-Gang im letzten Jahr noch mal ein exzellentes Album schaffte, legt sie nun eine limitierte Deluxe-Box mit dem Original-Album plus T-Shirt und DVD nach. Zu sehen gibt's angemessen wildes Zeug: also Ausschnitte von ihrer Europa-Tournee 2007, Interviews im Studio und eine Dokumentation über die Pressereise, die Wu-Tang-Chef RZA nach London, Paris und Berlin führte.
Leonard Cohen: "Under Review 1978-2006" (Chrome Dreams)
Den alten Meister aus Kanada umwehte stets eine Aura des Geheimnisvoll-Unnahbaren. In dieser, selbstverständlich nicht autorisierten und pünktlich zur Comeback-Tournee auf den Markt geworfenen Dokumentation palavern allerlei bekannte Profis wie Robert Christgau und Anthony DeCurtis zwischen schummrigen TV- und Konzertausschnitten über die späten Jahre des Edel-Barden. Obendrauf gibt's ein bizarres Quiz.
CHRISTOPH DALLACH
KINO
Von einem der auszog
Marcel Wehns Doku über "Wim Wenders' frühe Jahre" lässt neben Weggefährten wie Bruno Ganz, Robby Müller oder Peter Handke vor allem Wenders selbst zu Wort kommen. Und der redet sehr offen über sein Leben und seine Filme, und warum sich das eine aus dem anderen ergibt. Die filmische Verbeugung vor einem großen deutschen Filmemacher, respektvoll, aber ohne übertriebene Demut.
The Signal
In diesem umwerfenden Billig-Schocker macht ein mysteriöses Funk- und Fernsehsignal aus normalen Menschen wahnsinnige Killer, die sich aber selbst für total normal halten. In drei Teilen, aus drei Perspektiven und von drei Regisseuren mit viel Sinn für Tempo, Schockeffekte und fiesem Humor kompromisslos erzählt. So in etwa könnte die Zukunft des Horrorfilms aussehen.
Shark, 1. Staffel
Zugegeben, die Serie um Sebastian Shark, der sich vom scharfzüngigen und amoralischen Strafverteidiger-Saulus zum nicht minder skrupellosen Staatsanwalt-Paulus wandelt, glänzt nicht immer mit hochoriginellen Drehbüchern. Aber der schmissige Auftritt von James Woods als charismatischer Hallodri in der Titelrolle macht die Schwächen wett. Und Ex-Seven-of-Nine Jeri Ryan, bekannt aus "Star Trek: Voyager", ist auch diesmal eine Schau.
Ein weiter Weg zum Glück
Im Debüt des Argentiniers Juan Solanas landet eine kinderlose Geschäftsfrau (Carole Bouquet) aus Paris nach einem missglückten Adoptionsversuch im verarmten Nordosten Argentiniens, wo es leicht sein soll, mit genug Geld an ein Kind zu kommen. Manchmal gleitet Solanas in melodramatische Gefilde ab, sonst ist ihm mit dieser DVD-Premiere aber ein bemerkenswert ruhiger und einfühlsamer Film zu einem äußerst komplexen Thema geglückt.
DANIEL SANDER/JÖRG BÖCKEM