Newcomer Milky Chance: Video-Premiere Stolen Dance - DER SPIEGEL
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Newcomer Milky Chance: Kassels erfolgreichster Pop-Export

Foto: David Ulrich

Pop-Newcomer Milky Chance Mehr als "Wa-pa-pa-pa-pa-pa-pow"

Songs bei YouTube einstellen kann doch jeder. Aber damit auch Erfolg haben? Milky Chance aus Kassel zählen zu Deutschlands besten Pop-Newcomern und haben sich ihre eigene Nische gebaut. Wie es da klingt und aussieht, kann man hier in unserer Clip-Premiere von "Stolen Dance" überprüfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich wollte Clemens nach dem Abi ja Europa bereisen. Der VW-Bus war gekauft, die Freunde bereit, die Sachen so gut wie gepackt. Dann kam alles anders. Der 21-Jährige aus Kassel fährt jetzt zwar trotzdem quer durch Europa, aber ohne Bulli und nur mit Kumpel Philipp. Und statt in Portugal zu surfen, spielen die beiden als Milky Chance vor ausverkauftem Publikum. So kann's gehen, wenn man ein paar Songs bei YouTube hochlädt.

Milky Chance zählen zu Deutschlands erfolgreichsten Newcomern und sind das, was man gerne mal als Internet-Phänomen bezeichnet. Als Clemens seine Songs bei YouTube einstellte, wollte er sie vor allem unter seinen Freunden verbreiten. Was folgte, war nicht vorhersehbar: Binnen kürzester Zeit erreichte die Klickanzahl die Millionenmarke. Ihr Debütalbum "Sadnecessary" landete auf Anhieb in den Top 20 der Charts. Die Erfolgssingle "Stolen Dance" erreichte in Deutschland Platin-, in Österreich und der Schweiz sogar Goldstatus und zählte für einige Zeit zu den meistgespielten Songs im Radio. Ohne Major-Label, professionelles Management und Marketingmaschinerie.

Nische selber schaffen

Clemens Rehbein und Philipp Dausch wollten von Anfang an unabhängig sein, ihre Musik eigenhändig schreiben, produzieren und auf den Markt bringen. Major-Labels klopften an, doch die beiden gründeten stattdessen mit drei Freunden ihr eigenes Label, Lichtdicht Records. Heute übernimmt zwar eine größere Firma den Vertrieb, doch die Freunde managen so viel wie möglich selbst. Noch vor kurzem saßen Milky Chance im Kinderzimmer von Clemens' Elternhaus und nahmen die ersten Songs für ihr Debüt auf.

Viele YouTube-Phänomene entstehen durch eine, nun ja, außergewöhnliche Performance. Man denke da nur an den schrullig-verrückten Südkoreaner Psy und seinen "Gangnam Style"  oder das norwegische Duo Ylvis mit ihren fiktiven Fuchslauten ("Ring-ding-ding-ding-dingeringeding" oder "Wa-pa-pa-pa-pa-pa-pow") in ihrem Dance-Pop-Song "The Fox". Bei Milky Chance ist das anders.

Ihr Erfolg liegt wohl darin begründet, dass sie ihr eigenes Universum erschaffen haben, ein bisschen zumindest: "Viele sagen, unsere Musik sei ein bunter Mix, den sie so noch nie zuvor gehört hätten", sagt Clemens. Und hat damit gar nicht mal Unrecht: Mit seiner markant-kratzigen Stimme und der Mischung aus Reggae, Folk, Singer/Songwriter und Electro-Pop ist die Band in einer ureigenen Nische unterwegs. Die verschiedenen Genres werden so ineinander verwoben, dass ein ganz eigener dynamischer Sound entsteht. Die Suche nach Referenz-Künstlern: vergebens.

"Musik ist ein riesengroßer Spielplatz, auf dem man sich austoben kann", sagt Clemens, der noch recht frischgebackene Abiturient, und erzählt dann, dass er, seit er im Alter von zwölf Jahren mit dem Gitarrenspiel angefangen hat, schon viele Stile ausprobiert hat und noch immer offen gegenüber sämtlichen Genres ist: "Ich mag Klassik, Soul, Jazz, Pop der Achtziger, Bob Marleys alte Stücke, Singer/Songwriter-Musik und Songs der Woodstock-Ära - alles eigentlich." Aber mal ehrlich: Niemandem gefällt alles. "Das einzige, was ich gar nicht mag, ist Metal." Geht doch.

Mobilleser sehen das Video hier. 


Milky Chance auf Tour: 24.2. Blechnerei Konstanz, 28.2. LKA-Longhorn Stuttgart, 8.3. Orpheum Graz, 9.3. Arena Wien (alle ausverkauft)

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