Opernkarriere Erst Touchdown, dann Tristan
Manchmal ist der letzte große Auftritt zugleich der erste große Auftritt.
Als Noah Van Niel gestern mit seinen Mannschaftskollegen vom American-Football-Team der Harvard University den Sieg gegen die Erzfeinde von Yale feierte und sich damit den Liga-Titel holte, freute er sich wohl vor allem darauf, im Jubelchor mitzusingen - denn Van Niel will Opernstar werden.
Selbst ein Hollywood-Autor hätte sich diesen triumphalen Sieg als Auftakt für eine neue Karriere nicht besser ausdenken können. Van Niel ahnte es wohl schon, als er der "New York Times" vor dem Spiel sagte: "Niemand könnte ein besseres Ende schreiben."
Die amerikanische Eliteuni Harvard befördert ja viele erstaunliche Karrieren. Aber dass jemand wie Van Niel zuerst als Footballer reüssiert und nun gute Chancen hat, als Tenor die Opernwelt zu erobern, findet man auch hier ungewöhnlich. Zumal Van Niel auf dem Spielfeld weniger als kreativer Spieler denn als brachiales Bollwerk gilt; sein Spitzname lautet "Wide Body" (weiter Körper).
In der "New York Times" heißt es, Van Niel habe schon früh in der Schulzeit seine doppelte Liebe zu Rasen- und Singspiel gezeigt. Er bewunderte den legendären Football-Spieler Mike Alstott ebenso wie den dänischen Tenor Stig Rossen. Familienfotos zeigen den 13-jährigen Van Niel mit einem Replika-Trikot seines Helden Alstott in London, wo er eine Aufführung von "Les Misérables" besuchen wollte. Schon seit seiner Zeit in der High School nimmt er Unterricht bei Sharon Daniels, Direktorin des Operninstituts der Boston University und Sopransängerin an der New York City Opera.
Gesangslehrerin Daniels sieht nun gute Chancen für Van Niel, dass er sich als Tenor durchsetzen wird. Sie sagte der "New York Times": "Ich denke, er ist schon sehr weit fortgeschritten und wundervoll. Wir werden sehen, was passiert und wie die Musikwelt auf ihn reagiert."
Aber warum sollten Opernfreunde den 250-Pfund-Brocken nicht akzeptieren? Einen anderen Helden Van Niels hätte man sich ja durchaus dabei vorstellen können, wie er durch die Reihen seiner Gegner pflügt. Luciano Pavarotti war schließlich auch kein Leichtgewicht.
tdo