Paul Simon: The Complete Albums Collection - DER SPIEGEL
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Paul-Simon-Box: Verspäteter Respekt

Foto: Evan Agostini / AP / dpa

Paul-Simon-Box Der Schönschreiber

Trotz all seiner Bestseller galt Paul Simon als großer Langeweiler. Neuerdings aber wird der Amerikaner von Hipstern verehrt. Passend dazu werden nun seine Solowerke in einer Box neu aufgelegt.
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Was musste sich Paul Simon im Verlauf seiner Karriere an Beschimpfungen anhören: Seine Musik sei zu gefällig, zu schön, zu harmlos, zu glatt, er selbst zu dezent, zu unrebellisch und überhaupt viel zu lieb. Der Spott begleitete ihn von Beginn seiner Karriere an. Und mit Simon & Garfunkel war der wehmütige ("Hello darkness, my old friend") Barde aus Brooklyn sehr schnell erfolgreich - aber als lässig galt er nie. Im Gegenteil. Richtig scharf beschossen wurde er nach seinem Solo-Turbo-Bestseller "Graceland". Zu den Punkten der Anklage zählten das Plündern fremder Kulturen, das Über-den-Tisch-Ziehen von Musikern und ein Mangel an politischem Feingefühl. Rumms.

Aber weil im Pop Urteile nie ewig Bestand haben, ist das alles Schnee von gestern. Nachgewachsenen Musikern gilt Paul Simon als cooler Held, famoser Musiker auf Augenhöhe mit McCartney, Jagger & Richards und den anderen Titanen seiner Generation. Der Wind drehte sich zu seinen Gunsten, als die hippen Polohemd-Rocker von Vampire Weekend Simons Graceland-Afro-Pop-Sound übernahmen und Loblieder auf ihn anstimmten. Seitdem kann sich Paul Simon vor verspätetem Respekt kaum retten. Egal ob Jack White, Grizzly Bear, Feist, David Byrne, Brian Eno, Beck oder Damon Albarn: Alle lieben ihn. Ja, norwegische Star-DJs wie Todd Terje mixen Simon-Songs wie "Diamonds on the Sole of her Shoes" und "Late in the Evening" regelmäßig in ihre Auftritte.

Vom Afro-Pop-Klassiker bis zum Desaster-Album

Besondere Aufmerksamkeit genießt Paul Simons Solo-Werk. Was daran liegen mag, dass weite Teile davon nicht so vertraut sind wie die Simon-&-Garfunkel-Dauerbrenner, aber die Solo-Platten bieten eben auch die abenteuerlustigeren und überraschenderen Klänge. Das belegt eindrucksvoll der neue handliche Kasten "Paul Simon: The Complete Albums Collection", der, wie der Name erahnen lässt, Neuauflagen aller 14 Solo-Alben von Paul Simon enthält. Verpackt in kleine Vinyl-Replica-Papphüllen und aufgepimpt um Bonus-Songs finden sich da das Solo-Debüt "The Paul Simon Songbook" von 1965, mit der Originalversion von "The Sound of Silence", das großartige, nach dem Finale von Simon & Garfunkel veröffentlichte Album "Paul Simon", der Afro-Pop-Klassiker "Graceland", die übersehene Brian-Eno-Kooperation "Surprise", aber auch die Desaster-Platte "Songs From the Capeman".

Auch wenn sie von unterschiedlichster Qualität sind: Es sind alles Alben, die eine der großen Karrieren der Popgeschichte illustrieren. Und letztlich hat David Byrne recht, der vor einiger Zeit daran erinnerte, dass Paul Simon immer ein brillanter Songwriter war. Und ob das nun gerade hip ist oder nicht, ist letztlich sehr egal.


Paul Simon: The Complete Albums Collection. Col/Sony Music; 76,99 Euro.