Phil Collins: Hörhilfe in Hamburg - DER SPIEGEL
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Phil Collins Hörhilfe in Hamburg

Das erste Studioalbum seit sechs Jahren soll eine Punktlandung werden. Phil Collins veröffentlicht "Testify" am 11. November und sicherte sich bei der Hamburger Vorab-Premiere schon mal das Wohlwollen des Handels und der Medien. Dabei hat er eigentlich andere Sorgen: Den Musiker plagt schon seit Jahren eine Hörschwäche.
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Das Kapitel Tourneen dürfte Phil Collins, 51, zum Bedauern seiner Fans abgeschlossen haben. Beim Jubiläumskonzert für Königin Elizabeth II. vor einigen Wochen hatte der ehemalige Genesis-Drummer sein ganz persönliches Ohr-Erlebnis, als er mit den Musikern der Gruppe Queen den Klassiker "We Are The Champions" spielen sollte. "Queen ist die lauteste Band, die ich jemals gehört habe. Als die Band voll einsetzte, wurde mein Ohr so kräftig durchgeblasen, dass ich absagen musste." Doch Collins bestritt dennoch ein großen Teil des hochkarätig besetzten Konzertes als Schlagzeuger und wird wohl auch weiterhin ein paar Gastspiele an den Drums geben, wie zum Beispiel bei der kommenden Neueröffnung der Hamburger Color Line Arena am 8. November. "Es wird kein ganzes Konzert sein, aber ein paar Songs, die ich live spielen werde", sagte der Sänger bei der Vorab-Premiere seines neuen Albums "Testify" in Hamburg.

Wirkliche Sorgen um den unverbrüchlichen Charme-Bolzen Collins muss man sich natürlich nicht machen, denn nach wie vor kann er radiofreundliche Seelenschmeichler in Songform aus dem Handgelenk schütteln, auch wenn die kommende neue Single "Can't Stop Loving You", ein alter Leo-Sayer-Hit von 1978, mal nicht aus seiner Feder stammt. Der Rest des Albums fließt mit der Akkuratesse einer neuen Mercedes S-Klasse vorüber, kein Ruckeln und Stottern, die Zielgruppe wird professionell und überraschungsfrei bedient. Der Ort für Präsentation und Pressekonferenz war denn auch passend gewählt: Die schlicht-edle "Lounge" an der Hamburger Elbchaussee, da, wo die eleganteren "Tatorte" gedreht werden, in denen Collins-Songs die rechte emotionale Soundtapete abgeben würden.

Die latente Frage nach der Genesis-Reunion, gar unter Peter-Gabriel-Beteiligung, beantwortet Phil Collins mit diplomatischer Delikatesse. "Peter hat in den letzten Jahren ein so immenses eigenes Ding aufgezogen (sein Label, sein Studio, seine Weltmusik-Aktivitäten), das wird er kaum gefährden wollen." Anders ausgedrückt: Er segelt auf einem ganz anderen Dampfer. Collins hingegen hat nichts gegen die Idee, mal wieder mit den alten Kumpels zu spielen. Schließlich sind auch seine neuen "Testify"-Songs nicht weit vom Genesis-Terrain entfernt.

Die routinierten Erläuterungen zur neuen CD, die er der Journalisten- und Händlerschar im kuscheligen Wohnzimmer-Ambiente der Elbvilla abgab, unterstrichen denn auch, dass in den letzten sechs Jahren seit Erscheinen von "Dance Into The Light" eher wenige Unwetter im Collins-Land stattgefunden haben. Eine Hörhilfe braucht man zum Genuss von "Testify" beileibe nicht. Dass er gern wieder mehr Filmmusik schreiben möchte, illustrieren die Songs allerdings, mit viel atmosphärischer Klangornamentik und weniger ohrwurmig-griffigen Pop-Refrains. Gottlob kann sich Phil Collins auf das Harmoniebedürfnis seines Publikums stützen, das das Erwartbare goutiert. Und eben jenes in Perfektion abzuliefern, ist ja schließlich auch eine Leistung. Nicht das Schlechteste in Zeiten der Musikbranchen-Depression.

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