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Pop-Splitter: Morrissey, Tupac und die anderen

Foto: Dan Balilty/ AP

Pop! Der Ekel des Mr. Morrissey

Der Britpop-Senior Morrissey hat ein neues Album - findet aber kein Label dafür. Nun muss sich der arme Mann auch noch kluge Ratschläge anhören. Und wer kauft überhaupt noch Platten? Muss man erst sterben, um in die Charts zu kommen?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ekel.

Dass Morrissey, der elder statesman des Britpop, mal Schwierigkeiten haben würde, eine Plattenfirma zu finden, die frische Musik von ihm haben will, hätte er wohl auch nie gedacht. Aber tatsächlich ist es wohl so: Morrissey hat seit geraumer Zeit ein neues Album fertig, das aber kein Label veröffentlichen möchte. Für andere Musiker wäre das in diesem Jahrtausend halb so wild, dank der Möglichkeiten, die das Internet bietet. Dummerweise ist Morrissey ein unbeugsamer, analoger Traditionalist, der Online-Marketing vermutlich nur mit Ekel zur Kenntnis nimmt. Wenn überhaupt.

Nun hat ihm Kollegin Amanda Palmer trotzdem einen offenen Brief geschrieben , in dem sie Morrissey nahelegt, sein neues Album mittels Crowdfunding zu finanzieren. Palmer weiß, wovon sie redet. Immerhin sammelte sie dank der Website Kickstarter  mehr als eine Million Dollar für ihr aktuelles Album.

Das bekäme Morrissey wohl auch hin, der ehemalige Smiths-Sänger gebietet ja noch über gewaltige Verehrerscharen. Und Palmer hat recht, wenn sie darauf hinweist, dass es historische Dimensionen hätte, wenn sich ein Musiker aus Morrisseys Liga ein Album von Fans vorfinanzieren ließe. Davon, dass diese Ausführungen Morrissey auch nur im Geringsten beeindrucken könnten, ist allerdings kaum auszugehen.

Jagd.

Dass sich mit Tonträgern aber auch immer noch ganz altmodisch Geld verdienen lässt, ruft einmal pro Jahr der Record Store Day in Erinnerung, zuletzt vor zwei Wochen. Und dass der nicht nur ein kleines Nerd-Fest darstellt, belegen auch in diesem Jahr die erstaunlichen Umsätze. Die Plattenjäger, die mitunter bereits in der Nacht davor vor den Läden ihre Lager aufschlugen (so wie bei Rough Trade in London), um sich mit dem Öffnen der Türen auf limitierte Editionen von David Bowie, Flaming Lips oder The White Stripes zu stürzen, sorgten dafür, dass besonders der Vinylumsatz rapide anstieg. Allein in den USA gingen innerhalb einer Woche fast eine Viertelmillion Vinylplatten weg - so viel wie noch nie seit 1991 . Wie sehr sich die Sache gelohnt hat, beweisen auch die absurden Preise, die einige dieser kalkulierten Raritäten bereits bei Ebay erzielen.

Illusion.

Doch selbst wenn weit und breit eine Vinyl-Renaissance ausgerufen wird, machen die Umsätze mit den alten, schwarzen Scheiben nur einen verschwindend geringen Anteil am Tonträgermarkt aus. Wer das nicht glauben mag, kann es in einer Billboard-Analyse nachlesen .

Wiederauferstehung.

Seit 1996 landete der Rap-Star Tupac Shakur mit sechs Alben in den Top Ten der US-Charts. Was auch deshalb bemerkenswert ist, weil der Musiker 1996 erschossen wurde. Aber dass ein früher Abgang oft einen PR-Schub bedeutet, ist ja kein Geheimnis. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr kehrte Tupac als Hologramm sogar auf Konzertbühnen zurück.

Die Kunst, tote Pop-Ikonen in den Charts wiederauferstehen zu lassen, beschreibt "Variety" en detail. 

Schatzsuche.

Der Disco-Titan Nile Rodgers räumt dieser Tage als Gast auf der neuen Daft-Punk-Single "Get Lucky" mal wieder ab. Seine Ruhmestaten als Co-Regisseur von Chic und als Produzent und Autor für Kollegen wie David Bowie ("Let's Dance"), Madonna ("Material Girl") oder Sister Sledge ("Lost in Music") sind hinlänglich bekannt. Weil der Mann aber besonders fleißig war, gibt es noch einige obskure Schätze zu entdecken. Zwölf weniger bekannte, aber teilweise hervorragende Nile-Rodgers-Arbeiten wurden nun vom "Fact Magazine"  zusammengetragen. Besonders zu empfehlen: sein Album mit Laurie Anderson.