Pop!: Bastel dir dein Album doch selbst! - DER SPIEGEL
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Pop!: Schöne neue Musikwelt

Foto: Universal Music / Danny North

Pop! Bastel dir dein Album doch selbst!

Die Krise der Musikindustrie treibt immer wildere Blüten: Die Kaiser Chiefs lassen Fans an einem Album mitverdienen, Beyoncés neue Songs sind vor der offiziellen Veröffentlichung im Netz aufgetaucht - und der Sohn von Tom Hanks dokumentiert das Sterben der Plattenläden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Pop nach Maß

Medienrummel zu erzeugen wird auch für Musiker immer kniffliger. Wer ein Werk zu bewerben hat, muss in Zeiten kollabierender Tonträgerumsätze auch jenseits der Musik mit Originalität punkten. Maßstäbe in Sachen Eigen-PR setzten die Schlaumeier von Radiohead, die ihr Album "In Rainbows" online zu einem Preis nach Wahl offerierten. Allerdings legten sie den Verkaufspreis schon beim nächsten Album "The King Of Limbs" wieder fest.

In der Hoffnung, ähnlich viel Wirbel zu erzeugen wie ihre Kollegen aus Oxford, haben die Brit-Rumpel-Pop-Jungs von The Kaiser Chiefs ebenfalls ein gewitztes Konzept für die Markteinführung ihres Albums "The Future is Medieval" ausgeheckt. Ihr Coup soll eine Art "Album nach Maß" sein. Und das funktioniert so: Wer ihre Webseite  besucht, hat die Wahl zwischen 20 neuen Kaiser-Chief-Songs. Für 7.50 britische Pfund können sich Interessierte zehn Songs aussuchen und so ihr "individuelles" Kaiser-Chiefs-Album zusammen puzzeln, ein eigenes Cover ist dort ebenfalls programmierbar. Zudem bietet die Band ihren Fans die Möglichkeit, am Weiterverkauf ihrer zusammengezimmerten Alben mitzuverdienen. Denn all die individuellen Platten sollen auf der Webseite ebenfalls angeboten werden, und wessen Zusammenstellung von "The Future is Medieval" von Dritten übernommen wird, der bekommt jeweils einen Anteil von einem Pfund von den Künstlern.

Nun wird in einschlägigen Blogs und Foren bereits ausgiebig palavert, wie originell dieses Geschäftsmodell tatsächlich ist. Zum einen scheint die Idee in weiten Teilen stibitzt zu sein. Zum anderen ist da die traurige Tatsache, dass die Kaiser Chiefs den Zenit ihrer Karriere lange überschritten haben und froh sein müssen über jede Form von Aufmerksamkeit. Dazu kommt das Problem, dass die Knaben aus Leeds noch nie ein wirklich gutes Album zu bieten hatten. Denn letztlich waren die Meister schwungvoller Mitgröl-Hits wie "I Predict A Riot" oder "Ruby" immer nur eine tolle Single-Band.

Wem der Download-Zirkus um ihr Album zu irre ist, der muss sich nur bis zum 1. Juli gedulden, da erscheint das neue Kaiser-Chiefs-Album ganz regulär als CD.

Pop-Leck

Die Frage, inwieweit es tatsächlich den Umsätzen schadet, wenn eine Platte vor der offiziellen Veröffentlichung im Internet in Umlauf kommt, ist ungeklärt. Diese Woche tauchte "4", das für Ende Juni angesetzte Album der R&B-Queen Beyoncé, im Netz auf. Ein "Leak", "Leck", wie es im Fachjargon heißt. Unklar ist, ob es tatsächlich ein Gesetzesbrecher einschleuste oder vielleicht doch die PR-Abteilung der Künstlerin. Via Facebook ließ Beyoncé wissen, dass sie nicht glücklich über das "Leck" sei, aber dankbar für all die positiven Vorabreaktionen ihrer Fans.

Pop-Tower

Jetzt, wo fast alle der großen Plattenläden-Ketten ausradiert sind, merken immer mehr Menschen, dass ihnen etwas fehlt. In den USA war "Tower Records" eine Institution, mit Filialen in Tokio (ein ganzes Hochhaus!) und London. Schauspieler Colin Hanks ("Navy CIS") plant nun eine Film-Dokumentation darüber, was Plattenläden darstellten, am Beispiel von "Tower Records". Interessierte fordert er in einer Video-Botschaft  zum Mitfinanzieren auf. Colins Daddy Tom Hanks hat seinen zwei Millionen Twitter-Followers schon mal mitgeteilt, wie sehr er LPs vermisst. Wahrscheinlich könnte er den Film von den Tageszinsen seines Vermögens finanzieren.

Pop-Film

Weil spannende Drehbücher in Hollywood knapp sind, ist der Bedarf an aufregenden Lebensgeschichten beständig gestiegen. Zur Zeit sind auch diverse Musik-Biopics in Planung, unter anderem über James Brown, Jeff Buckley, Dusty Springfield, Sam Cooke, Marvin Gaye, Brian Epstein und die "Queen of Soul" Aretha Franklin. Letztgenannte wünschte sich für die Hauptrolle Halle Berry, die allerdings dankend ablehnte: "I can't sing!"