Pop!: Bruch-Fest mit Tiffany's - DER SPIEGEL
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Pop!: Punk's doch dead

Foto: EMI/ picture alliance / dpa

Pop! Bruch-Fest mit Tiffany's

Islamophobe Hakenkreuz-Träger in Norwegen - aber selbstverständlich ganz unpolitisch! Ein Einbrecher bei Kate Bush - er wollte sie doch nur heiraten! Das neueste aus der irren Welt des Pop - in unserer Kolumne!
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fanatisch

Fan kommt von fanatisch, und mit Fanatismus geht oft ein mehr oder minder zerrüttetes Realitätsbewusstsein einher. Pop-Fans sind meistens harmlos. Teenager, die in Tränen ausbrechen, weil ihre liebste Boyband sich trennt, gehören zum Geschäft. Fanatiker, die in die Intimsphäre ihrer Idole eindringen, sind nervige Stalker oder sogar gefährlich. Das musste zum Beispiel der Ex-Beatle George Harrison erfahren, als eines Nachts ein Durchgeknallter versuchte, ihn in seinem Haus zu erstechen.

Kate Bush war schon immer besonders scheu. Interviews gewährt sie kaum und wenn doch, dann nur am Telefon. Und über Privates plaudert sie dann nie. Am zweiten Weihnachtsfeiertag vergangenen Jahres drang der Kate-Bush-Super-Fanatiker Frank Tufaro in das Landhaus  der Künstlerin ein. Der 32-Jährige war aus den USA eingeflogen, um seinem Idol einen 3000 Dollar teuren Verlobungsring von Tiffany's an den Finger zu stecken. Vorab hatte er Bush mit E-Mails bedrängt, in denen er die Ehe mit ihr einforderte. Als die erwünschte Reaktion ausblieb, flog Frank Tufaro nach Exeter und fuhr zu Bushs Landsitz, dessen Adresse er via Satelliten-Programme im Internet erforscht hatte. Erst lungerte er da vor der Tür herum, und als ihm kalt wurde, verschaffte er sich Zutritt zu dem Anwesen. Nach seiner Festnahme durch die örtliche Polizei jammerte Frank Tufaro: "Ich war ungefähr acht Minuten da drinnen, bevor mir klar wurde, dass ich da wieder raus muss. Ich spazierte da drinnen herum und schaute mir alles an, aber es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte."

Die britischen Behörden schickten den Terror-Fan umgehend zurück in die USA. Kate Bush selbst schweigt selbstverständlich.

Gruselig

Ganz andere Sorgen haben die Norweger. Mal wieder wird darüber debattiert, wie weit Toleranz gehen kann und darf. Am Samstag wird in Oslo der Spellemannprisen verliehen, eine Art Grammy der Norweger, und weil in der Kategorie Metal die Band Taake nominiert wurde, ist die Aufregung gewaltig. Taake schauen zwar lustig aus wie Geisterbahn-Statisten, verbreiten in ihren Texten aber weit weniger amüsante Botschaften. Sie gelten als "Anti-Islam", und ein Lied auf dem nominierten Taake-Werk enthält Text-Zeilen wie: "To Hell with Muhammad and the Muhammadans...".

Nun wird unter Norwegens Kulturschaffenden heftig darüber gestritten, wie weit Meinungsfreiheit und und künstlerische Freiheit gehen dürfen. Eine brisante Debatte  in einem Land, das noch immer um den richtigen Umgang mit dem Massenmörder Anders Breivik ringt. Taake-Sänger Orjan Stedjeberg kann die Aufregung nicht verstehen: "Wir sind keine politische Band", wiegelt er ab. Dass er vor vier Jahren in Essen mit einem auf die Brust gepinselten Hakenkreuz auftrat, sei "nur Provokation" gewesen.

Angriffslustig

Pünktlich zur Veröffentlichung ihres neuen Albums in diesem Frühjahr fährt Madonna die Krallen aus. Als erste bekam nun Lady Gaga, die vermeintliche "neue Madonna", ihr Fett weg. Stein des Anstoßes ist die vermeintliche Ähnlichkeit zwischen Lady Gagas Hit "Born This Way" und Madonnas "Express Yourself". Nun höhnte Madonna in einem Interview : "Als ich das im Radio hörte, dachte ich mir, dass das doch sehr vertraut klingt." Und setzte nach, dass "Born This Way" "reductive" sei. Also eine "mindere" Kopie. Fauch!

Wahrwitzig

An die wahnwitzige Phantasie Frank Zappas erinnert jetzt eine tolle YouTube-Ausgrabung  von 1963: Da erläutert der junge, bartlose Kunstrocker einem verblüfften TV-Showmaster, wie man mit Fahrrädern Musik macht: "Wie lange machen Sie schon mit Fahrrädern Musik?" "Seit zwei Wochen!" Was für ein Vergnügen!

Ausradiert

Die Webseite Flavor Wire  überrascht mit der bizarren, aber faszinierenden Idee, wie Plattenhüllen aussähen, wenn inzwischen verstorbene Musiker nachträglich ausradiert würden. Also wenn bei "Abbey Road" nur noch Ringo und Paul über den Zebrastreifen spazieren oder auf dem Cover des ersten Ramones-Albums nur noch einer einsam an der Wand lehnt. Traurig, aber auch surreal und lustig.