Pop & Jazz Blonde Seele
Die meisten, die sie noch nie gesehen, aber dafür gehört haben, hätten folgendes Bild von ihr, sagt Joss Stone: schwarz, kräftig, Mitte dreißig. Kein Wunder, Stone singt, als habe sie ein Leben zwischen Ghetto, Kirchenchor und gescheiterten Ehen hinter sich gebracht. Aber weil sie in einem idyllischen Städtchen in England aufwuchs und sehr blond, sehr weiß und sehr attraktiv ist, gilt die 16-Jährige als Wunderkind der Saison.
Ihr am 23.2. in Deutschland erscheinendes Debüt-Album "The Soul Sessions" (Virgin) euphorisiert Journalisten von Großbritannien bis Amerika: "... sie hat tonnenweise Soul in ihrem verkehrsstoppenden Gesang ..." ("Billboard"). Der Engländerin war ein Team gewiefter amerikanischer Soul-Meister wie Betty Wright und Timmy Thomas zur Seite gestellt worden, mit dem sie einen Satz alter, oft obskurer Soul-Nummern so konservativ wie bravourös einspielte. Einziger neumodischer Höhepunkt ist die "White Stripes"-Garagen-Rock-Nummer "Fell in Love with a Boy", hier mit Hilfe der HipHopper The Roots zur brillanten Funk-Nummer umgemöbelt.
Aufgefallen ist die Britin, die eigentlich Joscelyn Eve Stoker heißt, zunächst bei Talentwettbewerben. Bewegung kam in die Karriere, als ein erfahrener Plattenmanager auf sie aufmerksam wurde und die alten Soul-Recken zusammentrommelte. Natürlich war es nützlich, dass Stone aussieht wie eine "Malibu-Barbie-Puppe" ("New York Times"). Spötter zetern, dass sie nur halb so viel verkaufen würde, wenn sie schwarz wäre. Und überhaupt, wie könne sie es in ihrem Alter wagen, solche Lieder über Liebesdramen zu singen? "Ich glaube, manche Menschen haben vergessen", sagt Stone, "wie es ist, ein Teenager zu sein."
Christoph Dallach
Konzert am 27.1. in München. Karten: Tel. 069/944 36 60.