Pop & Jazz: Die begabten Langweiler - DER SPIEGEL
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Pop & Jazz Die begabten Langweiler

Ihre Manieren sind gut, ihre Songs noch besser: Die britische Band Keane hat eine große Zukunft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Rock'n'Roll-Geschmackspolizei hat ihr Urteil gefällt: Das britische Newcomer-Trio Keane ist uncool. Zu gut seien ihre Manieren und zu unspektakulär ihre gesellschaftliche Herkunft und die Lieder deshalb auch viel zu zahm: "Musik, die deine Mutter lieben könnte", schrieb der Londoner "Observer".

Tom Chaplin, Tim Rice-Oxley und Richard Hughes wird das halbwegs egal sein. Denn genau wie ihre Kumpel von Coldplay, die ebenfalls als begabt, aber hoffnungslos langweilig galten, werden Keane wohl große Karriere machen. Und das zu Recht. Ihr gerade erschienenes Debütalbum "Hopes and Fears" (Island/Universal) ist verblüffend souverän. Da spielen sie hymnische, wehmütige und hochmelodische Popsongs - lediglich besetzt mit Keyboard, Schlagzeug und Gesang. Die Lieder eignen sich bestens fürs Radio und erinnern an, klar, Coldplay, aber auch an die norwegische Erfolgsband A-ha.

Ursprünglich waren Keane, die aus dem britischen Kaff Battle in Sussex stammen, Ende der Neunziger als Brit-Pop-Truppe angetreten. Aber weil die Karriere nicht richtig in Fahrt kam, verabschiedete der Gitarrist sich eines Tages. Die Restband beschloss, ihn nicht zu ersetzen und sich stattdessen ein Keyboard anzuschaffen. Der Wirbel um die Band begann vor einem Jahr, als die Londoner Mini-Plattenfirma Fierce Panda eine Single von Keane herausbrachte. Deren Boss Simon Williams hat das, was man ein goldenes Ohr nennen könnte. Er schob schon die Karrieren von Bestseller-Bands wie Ash, Supergrass, Placebo, The Bluetones und, ja, schon wieder, Coldplay an.

Die meisten Kritiker, die früher über Coldplay herzogen, schweigen längst, denn mehr als sieben Millionen verkaufte CDs in den vergangenen zwei Jahren haben Überzeugungskraft. Auch privat ist die Band interessanter geworden: Der Coldplay-Sänger und Songwriter Chris Martin hat die Hollywood-Schauspielerin Gwyneth Paltrow geheiratet und mit ihr ein Kind in die Welt gesetzt. Die Zukunft für Keane könnte also spannend werden.

CHRISTOPH DALLACH