Pop & Jazz Und der King singt weiter
Es gibt erstaunlich viele Menschen, mit denen man darüber streiten kann, ob Elvis nun eigentlich tot ist oder nicht. Manche wollen ihn allen Ernstes als Kellner identifiziert haben, andere entdeckten ihn beim Square dance auf einem Landfest oder in einem Fast-Food-Laden beim Großeinkauf. Egal. Alle Elvis-Verehrer, denen solche Gerüchte zu irre sind, begehen am 16. August den 25. Todestag des King. Und wie ein Wink aus dem Himmelreich des Rock'n'Roll an alle Zweifler und Vergesslichen, ist Elvis pünktlich zum Jubiläum an die Spitze der Hitparaden von Hongkong bis Dänemark zurückgekehrt. Im ewigen Rennen um die meisten Nummer-eins-Hits hat er in Großbritannien nun sogar die Beatles mit 18 zu 17 abgehängt. Zu verdanken ist das dem Niederländer Tom Holkenborg, der normalerweise als Junkie XL wilde Techno-Beats produziert und diesmal für einen Nike-Werbespot die eher obskure Presley-Nummer "A Little Less Conversation" mit zackigen Rhythmen aufmöbelte. Das ist auch deshalb ein historischer Coup, weil der so aufmerksame wie umtriebige Presley-Clan erstmals ein Lied des Meisters zur Überarbeitung freigab.
Dabei schien der Elvis-Industrie in letzter Zeit ein wenig die Luft auszugehen. So ist zum Beispiel in den vergangenen Jahren die Zahl derer, die für mindestens 16 Dollar den Vergnügungspark "Graceland" bewundern wollten, von 750000 auf unter 600000 pro Jahr abgestürzt, so dass die Elvis Presley Enterprises 15 Prozent ihrer rund 350 Angestellten vor die Tür setzten. Pünktlich zum 16. August gehen die Erben in die Offensive. Im Disney-Zeichentrick-Hit "Lilo & Stitch" haben sie den King im Soundtrack untergebracht. Und neben der Vier-CD-Box "Today, Tomorrow & Forever" (RCA/BMG) aus dem scheinbar endlosen Archiv-Fundus unveröffentlichter Elvis-Aufnahmen kommt bald eine Sammlung von 30 Nummer-eins-Hits auf den Markt. Auch die Klassiker "Burning Love" und "Suspicious Minds" sollen noch mal als Singles in die Läden gestellt werden. Dazu gibt es den üblichen Firlefanz wie Elvis-Bücher, -Möbel und das unvermeidliche McDonald's-Menü.
Christoph Dallach