Pop!: Näher bei Gott - DER SPIEGEL
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Pop!: Näher bei Gott

Foto: Lisa Maree Williams/ Getty Images

Pop! Näher bei Gott

Die Briten wissen Legenden wie The Human League noch standesgemäß zu würdigen, statt sie wie hierzulande in die "Ultimative Chart Show" zu verbannen. Adele ärgert sich derweil über gierige Ex-Lover und Kylie Minogue fürchtet künftige Kritiker.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ultimative Zumutung

Mit welch unterschiedlichem Respekt Popmusik in Großbritannien und Deutschland betrachtet wird, illustriert ein Blick auf das Fernsehprogramm. Eine wegweisende Band wie The Human League kommt in diesem Jahrtausend in Deutschland nur noch im Trash-TV unter. Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Albums musste das britische Trio beim TV-Heizdecken-Pop-Verkäufer Oliver - Olli - Geissen in der "Ultimativen Chart Show" antanzen. Neben The Human League bot das RTL-Spektakel beim "Die erfolgreichsten Synthie-Popsongs aller Zeiten" D-Prominenz wie Mundstuhl und eine frühere Dschungelcampbewohnerin. "Augen zu und durch" werden sich die drei Elektropop-Veteranen gedacht und drei Kreuze gemacht haben, als alles ausgestanden war.

Wie man mit Pop-Geschichte respektvoll umgeht, haben bei diesem Thema mal wieder die Briten vorgemacht. Genauer gesagt die BBC, die über das Phänomen Synthie-Pop die so tolle wie umfangreiche Dokumentation "Synth Britannia" produzierte. Detailliert werden dort Ursprünge, Einflüsse, Wirkung, Triumphe und Folgen der elektronischen Popmusik der achtziger Jahre ausgeleuchtet. Mit Hauptdarstellern wie Depeche Mode, John Foxx, Fad Gadget, Orchestral Manoeuvres in the Dark, Gary Numan, New Order und selbstverständlich The Human League, die sich in kompetent geführten Gesprächen an früher erinnern - an selbst zusammen gelötete Synthesizer, feindliche Journalisten, empörte Gewerkschafter, Fabrikjobs und das Abenteuer, mit schwarz lackierten Fingernägeln ein Bier im Pub zu bestellen. Dazu gibt es herrliche historische Filmaufnahmen von frühen TV-Auftritten, aber auch Bilder von grauen Betonvorstädten oder Clips vom Science-Fiction-Autor J. G. Ballard und von "Maggie" Thatcher. In Deutschland kann man diese grandiose Geschichtsstunde nun dank YouTube  genießen.

Kein Biss

Der Knabe Robert Pattinson, Held aller Verehrerinnen blutleerer "Twilight"-Vampirfilme, wäre lieber ein cooler Pop-Hipster. Immerhin Geschmack hat er, denn er verkündete jüngst, dass er von einem Vertrag beim britischen Platten-Label XL träumt, Heimat von The XX, The White Stripes und Adele. XL-Boss Richard Russell nahm das zur Kenntnis und twitterte: "Ich kann mir vorstellen, dass RP lieber Musiker als Schauspieler wäre. Da ist man Gott näher. Aber leider kann ich ihm da nicht helfen (Robert Pattinson, nicht Gott)."

Vergoldete Hölle

Seit XL-Künstlerin Adele zur globalen Hitparaden-Königin aufstieg, muss sie sich mit allerlei Absurditäten herumplagen. So will nun tatsächlich ein Ex-Liebhaber finanziell beteiligt werden, dessen abgeschmierte Beziehung zu Adele sie zu einigen Songs ihres Debüt-Albums "19" inspirierte. Keine Chance, antwortet die fassungslose Londonerin: "Du hast mein Leben zur Hölle gemacht. Ich stand das aus, und nun zahlt es sich aus."

Gnadenlose Kritiker

Die Zeiten, in denen Kylie Minogue die Hitparaden der Welt von oben aus betrachtete, liegen länger zurück. Nun recycelt die Australierin ihre Bestseller von gestern für - potzblitz - ein Musical. Starten soll das im nächsten Jahr erst mal im Londoner Westend. Angst hat "Smiley" Minogue nur vor den Kritikern: "Musik-Kritiker sind eine Sache, aber Theater-Kritiker eine ganz andere. Wenn das nicht funktioniert, lass ich es eben wieder sein."

Geld her!

Heftig und erbittert war der Zank zwischen Pink Floyd und ihrer Plattenfirma EMI über die Online-Nutzung alter Lieder. Seitdem der beigelegt ist, schien es stets, als wären die alten Kunstrocker um David Gilmour zu fein und zu reich für die ultimative Ausschlachtung ihrer Klassiker. Irrtum! Kurz bevor Tonträger endgültig an Bedeutung verlieren, wollen auch Pink Floyd noch mal mächtig Kasse machen. Angekündigt wurden nun unter anderem einige ausufernde Editionen ihrer größten Bestseller: Dabei eine 5-CD-Ausgabe von "Wish You Were Here", eine 6-CD-Edition von "The Dark Side of the Moon" und eine 7-CD-Ausgabe von "The Wall".

Losing

Die ewige Hitparade überflüssiger Songs hat einen neuen Spitzenreiter: "Winning"!  Verantwortlich zeichnen die zwei Exzentriker Snoop Dogg und der unvermeidliche Charlie Sheen.