Pop: Neue CDs - DER SPIEGEL
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Pop Neue CDs

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Diverse: "Girls on The Rocks" (Brigade Mondaine). Ab 13.1.

Die Namen der Musiker Heinz Kiessling oder Pete Jacques kennt kaum ein Mensch. Kein Wunder, die Musik, die sie vor einigen Jahrzehnten einspielten, war einzig als Werbe- und Film-Untermalung gedacht. Weil diese Melodien aber unbedingt ein größeres Publikum verdienen, stiegen ein paar Easy-Listening-Archäologen tief in die Archive des Brillant Musikverlags und entstaubten die Nummern. Dass sich das gelohnt hat, belegt nun eine CD voll mit zackigen bundesdeutschen Funk-, Jazz -und Soul-Knallern.

Guido Möbius: "Dishoek" (Dekorder)

Auf dem CD-Cover sind symmetrisch angeordnete kleine bunte Rechtecke zu sehen. Die Kompositionen tragen Titel wie "Klisten", "Kurbel" oder "Schleswig". Also: Achtung Kunst! Zum Glück ist sie erstklassig gelungen. Denn der Berliner Melodien-Tüftler versteht es auch auf seinem zweiten Album ganz hervorragend, allerlei Geräusche mit Klarinetten, Flöten und Trompeten zu einlullenden Melodien und einer Art modernem Krautrock zu verweben. Und das ist eine Kunst.

Richard Swift: "The Novelist / Walking Without Effort" (Secretly Canadian)

Immer wieder umwerfend, wie viel tolle Musik zunehmend ohne große Studios und Plattenfirmen produziert wird. Z. B. die Lieder dieses hochbegabten Exoten. Dessen Lieder klingen wie verlorene Klassiker: schnarrende, wehmütige Walzer voll von Trompeten und Banjos, die an Kollegen wie Rufus Wainwright und den großen Harry Nilsson erinnern. Nun wurden zwei lange vergriffene Frühwerke des Amerikaners neu verpackt. Danke!

The Everly Brothers: "The Price of Fame" (Bear Family Records)

Im Rock'n'Roll galten sie zwar als hochtalentiert, aber auch als zu lieb. Mittlerweile werden die beiden Amerikaner verehrt von nachgewachsenen Kollegen wie R.E.M., weil sie nicht nur sagenhaft gut singen konnten, sondern es auch verstanden, virtuos Rock'n'Roll und Country zu Pop zu verschmelzen. Obendrein wurden sie von mehr Dämonen gequält als viele vermeintlich harte Rocker. Diese Box mit sieben CDs und Buch wird ihnen endlich gerecht.

David Axelrod: "The Edge" (Capitol)

Der Künstler war bettelarm und nahezu vergessen, als ihn ein paar junge HipHopper wieder ins Rampenlicht brachten. Kenner wie Dr. Dre, De La Soul und DJ Shadow nutzten seine grandiosen, berauschenden Jazz- und Soul-Produktionen aus den Sechzigern, um ihre Beats zu veredeln. Eigentlich alles, was dieser exzentrische Paradiesvogel damals inszenierte, klingt bis heute atemberaubend. Weil die Originale längst ein Vermögen wert sind, gibt es nun eine weitere tolle Zusammenstellung dieser Schätze.

Michael Penn: "Mr. Hollywood Jr., 1947" (Mimeograph)

Dieser Künstler hat an seiner prominenten Verwandtschaft schwer zu tragen. Vater Leo ist berühmt als Filmemacher. Der kleine Bruder Sean ein Filmstar. Da steht man schnell im Schatten, was in diesem Fall aber schreiend ungerecht ist. Denn auch auf seinem neuen Werk, einem Konzeptalbum, das keine große Plattenfirma ins Sortiment nehmen wollte, glänzt der Singer-Songwriter wieder mit herrlichen Melodien und tollen Arrangements. Unterstützt wird er übrigens dabei von seiner Ehefrau Aimee Mann. Die ist auch berühmter als er.

CHRISTOPH DALLACH