Pop!: Niemand ist unersetzlich...oder? - DER SPIEGEL
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Pop!: Original und Fälschung

Foto: Simone Joyner/ Getty Images

Pop! Niemand ist unersetzlich...oder?

Durften die Überlebenden von Queen Freddie Mercury ersetzen? Durfte die Prog-Rockgruppe Yes ihren Sänger mit einem Imitator austauschen? Dürfen Ärzte bei Operationen Black Sabbath hören? Was hat das alles mit Kele Okereke zu tun? Und wer sind eigentlich die "Fanilows"?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Abgesang.

Kele Okereke, bekannt geworden als Sänger der zackigen Britpop-Band Bloc Party und zuletzt als Solo-Künstler unterwegs, war durchaus überrascht, als er zur Kenntnis nehmen musste, dass seine Ex-Kollegen beschlossen hatten, mit einem neuen Sänger weiterzumachen. Interessant läuft es zurzeit auch bei den britischen Radaubrüdern von Gallows, deren Erfolg immer untrennbar mit ihrem volltätowierten Sänger Frank Carter verknüpft schien. Dass die Rest-Gallows, nachdem Carter im Sommer seinen Abgang verkündete, flugs einen Ersatzmann anheuerten, sorgte für allgemeines Erstaunen.

Besonders pragmatisch gingen die altgedienten Prog-Rock-Rentner von Yes ihr Sänger-Problem an. Als Jon Anderson, der jahrzehntelang mit unverwechselbar hoher Stimme bei Yes diente, zuletzt von Krankheit befallen war, engagierten seine Kollegen tatsächlich den Sänger einer Yes-Coverband! Nun streiten die Fans, ob das als Geniestreich oder Bankrotterklärung zu bewerten ist.

Die große Frage dahinter aber bleibt, wie austauschbar Rocksänger sind. Wie individuell sind Stimmen? Wie sehr hängen Fans an bestimmten Personen als Markenzeichen?

Die Popgeschichte habe gezeigt, dass Rock-Fans toleranter seien als Indie-Fans, behauptet ein Autor der Musikzeitung "NME" in einem Blog-Beitrag zum Thema.  AC/DC zum Beispiel pulverisierten alle Zweifel nach Bon Scotts Tod mit dem neuen Sänger Brian Johnson und "Back in Black", ihrem erfolgreichsten Album überhaupt.

Andererseits taten sich Queen oder The Doors mit läppischen Ersatzsängern keine Gefallen. INXS rekrutierten ihren Ersatz für Michael Hutchence gar mittels einer TV-Show. Man kann endlos darüber streiten, was zulässig ist oder eben nicht. Wie so ein Dilemma halbwegs elegant zu lösen ist, bewiesen einst die Überlebenden von Joy Division. Nach dem Suizid ihres Sängers Ian Curtis änderten sie ihren Namen, ihren Sound, ließen ihren Gitarristen singen und waren fortan als New Order erfolgreich.

Absturz

Auch Sly Stone wurde schon einmal für tot erklärt. Das war zum Glück ein Irrtum, aber böse erwischt hat es die Soul- und Funk-Legende trotzdem. Der hochbegabte Künstler, der einst mit Hits wie "Dance To The Music" für Millionenumsätze sorgte und in Woodstock auftrat, ist, wie nun gemeldet wurde, obdachlos . Genauer gesagt, lebt er mittlerweile in einem Van: "Ich brauche dringend einen Job", sagt er. Das ist ihm zu wünschen.

Geheimnis.

Roadies erleben, was sich hinter den Kulissen des Rock'n'Roll-Zirkus abspielt. Sie kennen jedes schmutzige Detail - und sie schweigen. Denn Roadies gehören zu den großen Geheimnisträgern im Musikgeschäft. "Ich glaube an die Zehn Gebote, aber ich breche sie!", sagt ein Roadie in "On The Road", einer neuen Dokumentationsreihe über diesen besonderen Berufsstand. Die erste Folge ist jetzt online zu bestaunen .

Dröhnung.

Eine neue Studie belegt, dass, zumindest in England, 90 Prozent aller Ärzte bei operativen Eingriffen mit Musik entspannen . Und zwar nicht mit Klassik, sondern überwiegend mit lautem Rock, etwa von Black Sabbath. Das helfe bei der Konzentration und vertreibe die Langeweile. Pietätvoll würden aber unpassende Songs wie Queens "Another One Bites The Dust" gemieden.

Verehrung.

Eine so überflüssige wie amüsante Hitliste sammelt bizarre Namen von Popstar-Fan-Gruppen . Die "Deadheads" vergöttern The Grateful Dead, Verehrer von Barry Manilow heißen "Fanilows", Liebhaber der Killers nennen sich "The Victims", und Menschen, die für Justin Bieber kreischen, sind "The Beliebers".