Pop!: Radiohead zum Selberbacken
Pop! Radiohead zum Selberbacken
Illegales Spielzeug aus dem Archiv
Es passiert erstaunlich oft, dass bekannte Musiker Alben einspielen, die dann unveröffentlicht in den Archiven versenkt werden, warum auch immer. Großkünstler wie Prince, Neil Young, Paul McCartney, Bruce Springsteen oder die Beach Boys sitzen auf mehr oder weniger fertigen Alben, von denen sie nicht wollen, dass sie ein großes Publikum hört. Aber regelmäßig finden viele dieser ungeliebten Werke doch auf verschlungenen Wegen an die Öffentlichkeit.
Früher auf sogenannten Bootlegs, also illegal hergestellten Tonträgern, die in der Regel für viel Geld im Verborgenen die Besitzer wechselten. Aber im digitalen Zeitalter sind viele dieser abgelegten Lieder via Suchmaschinen problemlos zugänglich. David Bowies verschollenes Album "Toy" gehörte bislang zu den Ausnahmen - kaum jemand hatte es je gehört. Fest stand nur, dass es tatsächlich aufgenommen wurde, für 2001 zur Veröffentlichung vorgesehen war und dann doch nicht kam. Des Künstlers Plan war, frühe Songs seiner langen Karriere für moderne Zeiten fit zu machen, also peppte er 14 Songs wie "Liza Jane" oder "The London Boys" mit neueingespielten Versionen auf.
Welche Laus ihm dann über die Leber lief, ist nicht bekannt. Bowie, geheimnisvoll wie eh und je, entschied sich, das Album nicht zu veröffentlichen. Die fertige Platte verschwand 2001 im Archiv, nur fünf der Songs verwendete er später. Aber auch weil der "Thin White Duke" seit 2003 kein neues Album mehr geliefert hat, wuchs die Sehnsucht seiner Fans nach "Toy" in den vergangenen Jahren gewaltig. Diskussionsgruppen bei Amazon und Facebook rätselten verzweifelt, wie an diese Lieder zu kommen sein. Vergebens.
Doch seit einigen Tagen ist die Freude der Bowie-Verehrer groß: Die 14 Songs von "Toy" geistern endlich durch die Blogs des weltweiten Netzes. Illegal natürlich - aber in phantastischer Qualität. Das können Kritiker natürlich nicht ignorieren. Und die Platte ist nicht nur rar, sondern tatsächlich toll. So frisch und lebendig klang Bowie in den letzten Jahrzehnten lange nicht. Wo "Toy" so plötzlich herkommt, weiß natürlich niemand. Die überragende Qualität lässt allerdings auf eine dem Künstler nahe stehende Quelle schließen. Die Gerüchte, Bowie selber habe "Toy" ins Netz geschleust, wurden von seinem Management selbstverständlich nicht mit einem Kommentar gewürdigt.
Überholte Formate
Singles waren mal das "ein und alles" im Pop-Universum. Ruhm erntete man mit einzelnen Liedern, eher selten mit Alben. Zu Vinyl-Zeiten gab es die A- und die B-Seite. Es war eine besondere Kultur, aber die erlischt nun. Die Plattenfirma Mercury Records, die zum Titanen Universal gehört, hat verkündet, die Herstellung von physischen Singles endgültig einzustellen. In großen Teilen der Welt vertritt Mercury immerhin Künstler wie U2, Arcade Fire und The Killers. Man habe im vergangenen Jahr zu viel Geld mit Singles verloren, so die Begründung. Die immer noch meist verkaufte Single aller Zeiten, Elton Johns "Candle in the Wind", erschien übrigens 1997. Bei Mercury.
Schwul für Jonny Depp
Mal abgesehen von der Musik scheint die größte Herausforderung für junge Bands ein angemessener Name zu sein. Ein Markenzeichen, das originell, einprägsam und noch nicht vergeben ist. Kurzum, eine Hürde, die für ambitionierte Nachwuchskräfte zunehmend zum Problem wird, wie eine Kolumnistin des britischen "Guardian" jüngst in einem Blogbeitrag feststellte.
Einst schien das souveräner abzulaufen: The Beatles, Queen, The Cure, Pink Floyd, The Smiths oder The Jam sind keine umwerfend originellen Namen, aber dezent und effektiv. Heute muss man sich mit gestelzten Namen wie Someone Still Loves You Boris Yeltsin, Gay For Johnny Depp oder And You Will Know Us By The Trail Of Dead herumschlagen. Das gute an diesen Zungenbrechernamen ist, dass sie ziemlich zuverlässig als Warnung vor mittelprächtiger Musik dienen.
Kühlschrank-Poesie
Die von Rupert Murdoch finanzierte und mit teurem Personal besetzte iPad-Zeitung "The Daily" macht mit ersten amüsanten Beiträgen auf sich aufmerksam. Lustig ist zum Beispiel die "Infografik" zur Frage, aus was sich Radiohead zusammensetzen - unter anderem nämlich: "21 Prozent Serotonin-Mangel", "7 Prozent Kühlschrank Magneten Poesie", "6 Prozent Leerräume wo einst Gitarren waren".