Pop!: Ratzfatz ein reicher Sack - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Pop!: Kaffee von Wilco

Foto: Ian Gavan/ Getty Images

Pop! Ratzfatz ein reicher Sack

Mit Platten ist kein Geld mehr zu machen? So ein Quatsch! Limitiertes Vinyl steigt rasanter im Preis als manche Hochrisiko-Aktie: Jack White von The White Stripes kann ein Lied davon singen. Die Rock-Künstler von Wilco hingegen versuchen ihr Glück mit Kaffee.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schnäppchen

Trotz aller Turbulenzen auf dem Tonträgermarkt floriert das Geschäft mit limitiertem Vinyl. Exklusive, teils drastisch limitierte Platten, die zu moderaten Preisen auf Webseiten angeboten werden, legen in Rekordzeit an Wert zu. Eine Vinyl-Single, die für fünf Dollar abgegeben wurde, kann einen Tag nach Veröffentlichung ausverkauft sein und für hunderte Dollar die Besitzer wechseln, je nach Marktwert des Künstlers. Jack White von The White Stripes ist selber leidenschaftlicher Vinyl-Platten-Sammler und bietet Sammler-Editionen auf seinem Label "Third Man Records" an. Aber dass viele seiner vergriffenen Editionen rasant im Preis zulegten, hat ihn offensichtlich so sehr gewurmt, dass er dazu übergegangen ist, seine potentiellen Sammlerstücke direkt bei eBay  anzubieten.

Fünf Exemplare einer limitierten Vinyl-Neuauflage des White-Stripes-Debüts brachten dort ratzfatz hunderte Dollar. Ein Coup, der viele seiner Fans auf die Palme brachte und Debatten im Netz entfachte. Nun rechtfertigt sich der Rock-Millionär für seine eBay-Geschäfte: "Wenn eine unserer Platten jemandem 300 Dollar wert ist, warum sollen wir sie dann für 10 verkaufen und nicht gleich für 300?" "Fuck You, Third Man!", schimpfen die Fans. "Keiner wird gezwungen, diese Platten zu erwerben. Wenn euch der Preis nicht passt, lasst es doch", antwortet der Chef.

Überraschung

Alle Nase lang werden Blogs dichtgemacht, die - vermeintlich - unautorisierte Musikdateien ins Netz stellen. Was manchmal bizarr anmutet, wenn es sich um Lieder handelt, die von den Plattenfirmen sowieso zu Promotionszwecken frei angeboten werden. Wirklich kurios wird es, wenn eine Plattenfirma Musik blockieren lässt, die überhaupt nicht in ihren Zuständigkeitsbereich gehört. Davon kann Bradford Cox ein Lied singen, dessen Band Deerhunter im Indie-Universum sehr geliebt wird. Der Amerikaner hatte auf seiner Webseite  vier Alben mit "Schlafzimmer-Demos" zum freien Download zur Verfügung gestellt, bis der mächtige Sony-Konzern diese Lieder entfernen ließ. Das ist vor allem bemerkenswert, weil Sony keinerlei Rechte an dieser Musik besitzt und der Künstler nicht bei ihnen unter Vertrag steht. Eine Begründung für den Eingriff gab es selbstverständlich nicht. "Anscheinend gehört Sony mein Schlafzimmer", kommentierte der Künstler den Vorgang auf seiner Webseite und bat seine Fans, bei Sony mal nachzufragen, was da eigentlich los sei. Ebenso abrupt übermittelten die Sony-Verantwortlichen eine Entschuldigung für "den Fehler". Die vier Alben sind nun wieder zugänglich.

Sakrileg

John

Die vermutlich teuerste Vinyl-Platte der Welt wird rechtzeitig zu Weihnachten auch mal wieder angeboten: das -Lennon-Album "Double Fantasy", das sich der irre Mark David Chapman noch signieren ließ, bevor er den Ex-Beatle vor seiner Wohnung erschoss. Geschätzter Wert: 850.000 Dollar - der Verkäufer möchte anonym bleiben.

Kultschrott

David Lynch

Der sogenannte "Kult-Regisseur" hat auf seine alten Tage auch eine Platte aufgenommen. Eine Single (die limitierte Sammler-Edition folgt) namens "Good Day Today", auf der sich der 64-Jährige an Elektro-Pop versucht. Allein die Ankündigung sorgte für ein Wettbieten der Plattenfirmen. Öde ist das Werk  trotzdem: "Ich liebe David Lynch, aber das hier ist Schrott!", bemerkte ein Fan - zu Recht.

Geträller

Pink

Nicht gerade naheliegend ist die Idee, über den Kinderchor, der auf -Floyds-Dauerbrenner "The Wall" trällerte ("We don't need no education..."), einen Kinofilm zu machen. Aber genau das plant der Produzent Andrew Harris, der bereits mit "The Queen" erfolgreich war. Basieren soll die Geschichte auf den Memoiren des Musiklehrers.

Rockkaffee

Auf die Idee, dass die ambitionierten Rock-Künstler von Wilco mal Kaffee verkaufen  würden, wäre man auch nicht gekommen. Aber nun ist es so weit.