Pop!: "Ronson, du bist tot!" - DER SPIEGEL
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Pop!: "Ronson, du bist tot!"

Foto: Kevin Winter/ Getty Images

Pop! "Ronson, du bist tot!"

Popstars beleidigen sich per Twitter, die besten Schmähungen sind nun in einer Hitliste gesammelt. Britney Spears' neues Album geistert Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung durchs Netz, und das verschollene Beach-Boys-Meisterwerk "Smile" kommt raus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Virtuelle Schlammschlachten

Zum großen Pop-Theater gehört traditionell die Streiterei: Das Lästern, Beschimpfen, Verunglimpfen, Verhöhnen und Fertigmachen von Musiker-Kollegen. Das war schon immer so, wurde einst auf oder hinter der Bühne ausgetragen oder in Texten und Interviews. Wer auf der Höhe der Zeit lästern will, erledigt das heute via Twitter. Zu den größten Twitter-Streithähnen gehört Kanye West. Derzeit sorgt er für Wirbel, weil er sich über Abtreibungskosten und die Motive dafür mokierte. Auf die Palme brachte er damit die mindestens so zanklustige und wortgewaltige Britin Lily Allen, die flugs zurücktwitterte, was sie von dem Quatsch hält.

Bei Spin-Online wurde nun eine Hitliste der prominentesten Twitter-Schlagabtäusche  zusammengetragen: Dabei Kings Of Leon ("Selbstverliebte Arschlöcher") gegen "Glee"-Erfinder Ryan Murphy ("Geh zum Therapeuten") oder Amy Winehouse ("Ronson, du bist tot") gegen Mark Ronson; oder Ice-T ("Bitch") gegen Aimee Mann. Ein Fest der virtuellen Schlammschlachten.

Digitale Rekorde

Eine Bestmarke des digitalen Zeitalters, die Lady GaGa nicht hält, ist der Rekord der meisten Facebook-Freunde. Denn auf 30 Millionen "Freunde" kann der Rapper Eminem bei Facebook zählen, so viele wie kein anderer Musiker auf Mutter Erde. Aber Lady GaGa ist ihm selbstverständlich dicht auf den Fersen mit 29,9 Millionen Freunden. Dafür hat GaGa bei Twitter die Nase vorn mit 8,7 Millionen Fans und lässt Eminem mit seinen bescheidenen 3,4 Millionen Twitter-Verbündeten lässig hinter sich.

Illegale Lieder

Offiziell erscheint "Femme fatale", das neue Album der Pop-Prinzessin Britney Spears, erst am 29. März. Seit Anfang März geistert es bereits durch die Blogs des weltweiten Netzes. Ein "Skandal", den angeblich das Management inszeniert hat, um vorab etwas Aufmerksamkeit zu zaubern, wie böse Zungen behaupten. Interessanter ist, dass das Werk der Amerikanerin das gar nicht nötig zu haben scheint, denn all die Kritiker, die den illegalen MP3s lauschten, scheinen überraschend angetan zu sein. Eine Sammlung wohlwollender Rezensionen findet sich hier . Die Musik muss jeder selber suchen.

Legale Mythen

Illegal waren bislang auch alle Tonträger mit den Original-Aufnahmen des Albums "Smile". Das Beach-Boys-Werk gilt vielen Spezialisten als eine der besten Platten aller Zeiten - was auch daran liegen mag, dass sie nie offiziell veröffentlicht wurde, weil der Verantwortliche, Brian Wilson, damals Ende der sechziger Jahre während der Aufnahmen den Faden verlor, ausflippte, zu viele Drogen nahm und in Depressionen versank. Seitdem zirkulieren viele unautorisierte Versionen der Platte, sogenannte Bootlegs. 2004 führte der halbwegs genesene Brian Wilson die verlorenen Lieder bei Konzerten auf, darauf folgte eine CD mit neu eingespielten Versionen der "Smile"-Songs. Nun kündigt das Label EMI überraschend die Veröffentlichung der Original-Smile-Aufnahmen an: Als Standard Doppel-CD und Luxus-Box mit vier CDs, zwei Vinyl-Alben, zwei Vinyl-Singles plus dickem Buch. Manche Beach-Boys-Fans reagieren darauf verhalten. In der Online-Ausgabe des "Guardian"  schreibt ihr Musikkritiker Caspar Llewellyn Smith: "Ich wünschte, sie würden das nicht tun." Und beklagt, dass so ein weiterer Pop-Mythos zerstört wird: "Die Version in unserer Phantasie wird immer die beste bleiben." Stimmt!

Überraschende Rückkehr

Ja, es gibt sie noch: Lauryn Hill  hat sich überraschend zurück gemeldet. Eine neue Platte ist zwar nicht in Sicht, dafür begibt sich Frau Hill in den USA auf ausgiebige Konzertreise. Man darf gespannt sein.