Pop!: Morrissey träumt von Gandhi
Pop! The only way is App
Pop-App
Es war nur eine Frage der Zeit bis der Virus namens "App" in die Hitparaden drängt. Der große Vorzeige-Verkaufsschlager namens "iTunes" schwächelt seit geraumer Zeit, während die Geschäfte mit "Apps" aufs Herrlichste florieren. Beides zu kombinieren, um in den Musikmarkt mehr Schwung zu bringen, war daher nur konsequent.
Es passt, dass die Eigenbrötlerin Björk, die sich gern futuristisch und abenteuerlustig gibt, mit ihrem kommenden Album "Biophilia" Maßstäbe in Sachen Pop-Apps setzen möchte. Das Werk soll nicht allein als schnöde Sammlung von Tracks bei iTunes oder gar als - schnarch - CD zu erwerben sein, sondern vor allem als App mit Internetzugang, Installationen, Live-Shows und Gott weiß was für Klimbim beeindrucken. Um den Technik-Zirkus auf die Spitze zu treiben, ließ die Isländerin eigens für dieses Projekt Instrumente entwerfen, zum Beispiel ein gewaltiges Pendel, das auf die Anziehungskraft der Erde reagieren soll.
Die erste Musikerin, die mit unterhaltsamen Pop-Apps punkten will, ist Björk aber nicht. Schon länger gehören diese Spielzeuge zum guten Ton in der Champions League der Pop-Charts: Justin Bieber, Lady Gaga, Taylor Swift, The Black Eyed Peas, The Streets und selbst David Bowie haben Apps als Mehrwert im Angebot.
Die Frage ist natürlich, was das außer erhöhten Umsätzen bringen kann. Sind diese Apps am Ende nur ein weiteres Gimmick, oder bieten sie vielleicht Möglichkeiten, mit der die Idee des Albums für dieses Jahrtausend revolutioniert werden könnten?
Theoretisch ist das Potential einer App umwerfend, denn sie könnten im Idealfall die Interaktion zwischen Künstler und Konsument neu definieren. Wen aber am neuen Björk Album, ganz altmodisch, nur die Musik interessiert, kann sich vorab schon mal eine App namens Solar System runterladen, für die Björk einen neuen Track beigesteuert hat. Zu haben ist der Datensatz zum Preis einer CD.
Selbstgeschriebenes Leben
Als Musiker hat Steven Patrick Morrissey schon länger nicht mehr für Furore gesorgt. Dafür scheint er nun als Schriftsteller einen massiven Hit im Angebot zu haben. Seitdem der 51-jährige Brite ankündigte, seine 600 Seiten umfassende Biografie abgeschlossen zu haben, herrscht unter Englands Verlegern große Aufregung. Der Chef von Faber and Faber schrieb ihm einen Bettelbrief : "Du verdienst Faber and Faber und die Liebe, die wir dir bieten können."
Aber die alte Diva Morrissey scheint Penguin Books zu favorisieren, zumindest wenn die sein Werk in der von ihm geschätzten Reihe "Penguin Classics" veröffentlichen, wo immerhin schon Erinnerungen von Ghandi, Malcolm X, William Burroughs und Andy Warhol erschienen.
Spannend wird die Geschichte auch, weil Johnny Marr, Morrisseys Ex-Partner bei The Smiths, ebenfalls seine Memoiren angekündigt hat - in denen manche Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte vermutlich sehr anders dargestellt werden.
Für Morrissey dürfte sich die Schreibarbeit auch finanziell gelohnt haben. Experten erwarten für sein Buch ein Honorar, das in der Liga von Keith Richards angesiedelt sein dürfte. Der kassierte für sein Buch "Life" immerhin 3,5 Millionen Pfund.
Killah-Bier
HipHop-Großmeister und Wu-Tang-Clan Veteran Ghostface Killah wird nun mit einem Bier geehrt. Dem Getränk sind fünf verschiedene Pfeffer-Sorten beigefügt. Den Segen des Rappers und Gelegenheitsschauspielers ("Curb Your Enthusiasm") bekamen die Brauer aber nicht , so dass sie den Namen auf der Flasche in Ghost-Face-Killah ändern mußten. Prost!
Umgesattelt
Für seine Darstellung eines runtergerockten Country-Musikers gewann Jeff Bridges vergangenes Jahr einen Oscar. Nun hat er ein eigenes Album mit Country-Songs eingespielt. Dafür, dass er sich da nicht zum Narren macht, sorgen illustre Gäste wie Rosanne Cash und Sam Phillips und vor allem der Meister Produzent T-Bone Burnett, ein alter Freund von Bridges. Vielleicht gewinnt er dafür ja einen Grammy.
Erwischt
Dass im Internet alles ewig währt, ist kein Geheimnis. Daran dürften sich nun auch diverse "Indie-Musiker" erinnern. Bei "Stereogum" sind groteske Clips gesammelt, die Größen wie Vampire Weekend, Fleet Foxes oder Joanna Newsom zeigen, bevor sie berühmt wurden. Autsch.