Popstar Sasha: Das wahre Gesicht - DER SPIEGEL
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Popstar Sasha Das wahre Gesicht

Der ewige Fluch, als Schnulzenheini zu gelten, das verflixte dritte Album - der erfolgreiche Popsänger Sasha hat es weiß Gott nicht leicht. Doch nun will der smarte Star aus Dortmund zeigen, wer er wirklich ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Klar, am Anfang der Karriere macht man schon mal Fehler. Oder man lässt sich von cleveren Produzenten über den Tisch ziehen und sich auf Sachen ein, die man später bereuen könnte. Auf ein Softie-Image zum Beispiel. Über Nacht wurde einst aus dem Ruhrpott-Rocker ein Schmuse-Sasha, der sich mit Hits wie "Owner Of My Heart" und "If You Believe" in die Herzen der - zumeist weiblichen - Teenager sang.

Doch damit soll nun bald Schluss sein. Zumindest ein bisschen. "Ich bin schon stolz auf meine Teenager-Fans, aber ich bin immer froh, wenn auch Ältere kommen, vor allem Männer", sagt der 27-Jährige, der sich wünscht, dass irgendwann niemand mehr verschämt zu Boden blickt, wenn er zugeben soll, ein Sasha-Fan zu sein. Live, so sagt er, live auf der Bühne hätten er und seine Band ja ohnehin schon einen viel rauheren, rockigeren Sound, das wüssten ja auch die Fans. Nur, so klagt er, was nach außen dringe, sei ja zumeist doch nur das Bild vom Schmusestar oder Schnulzensänger und das sei halt ziemlich uncool.

Sasha Schmitz, ein Popstar-Phänomen, das Deutschland lange nicht erlebt hat: Vor zwei Jahren, auf der Höhe seines Erfolgs, jubelte die "Bild"-Zeitung: "Hurra, wir haben endlich wieder einen Weltstar!". Das war allerdings, bevor die Plattenfirma ihren Newcomer selbstbewusst in die harte Business-Realität der USA schickte, wo er sich die Vorschusslorbeeren erst mal verdienen sollte. Die in Amerika veröffentlichte Single schrammte jedoch knapp an den angepeilten Top 100 vorbei und Sasha, der noch dazu einen ärgerlichen Namensstreit mit einem US-Sasha ausfechten musste, kehrte ernüchtert zurück in heimische Gefilde.

Zuhause ist es dann ja doch schöner, dort feiert man ihn immerhin liebevoll als Kai Pflaume der Popmusik, dort wünschen sich viele Mütter einen Schwiegersohn wie ihn. Der Papst empfing den Sänger unlängst gar zum zweiten Mal und die Unicef freute sich über sein Engagement als Botschafter, als der er im vergangenen Jahr nach Malawi reiste, um sich vor Ort ein Bild der afrikanischen Aids-Problematik zu machen. Man liebt ihn beeindruckend neidlos als pflegeleichten Sonny-Boy, der nie was Böses sagt, ein - wie er sagt - "positives Lebensgefühl" vermitteln will und sogar richtig singen kann. Alles bestens also. Oder?

Mit seinem dritten Album "Surfin' On A Backbeat" will Sasha "einen oder zwei Schritte weitergehen" als bisher. Nachdem er, wie er zugibt, beim letzten Werk "so ein bisschen zeigen wollte, was ich alles drauf hab'", soll die Linie nun klarer sein. Roter Faden, festes Konzept, Dinge in Einklang bringen, das sind Formeln und Halbsätze, die Sasha dieser Tage gebetsmühlenartig in Journalistenohren spricht, denn der Popstar will nun keine marketinggerechte Hülle mehr sein, sondern sein wahres Gesicht zeigen.

Der Sound des neuen Albums, an dem wie üblich verschiedene Songwriter und Produzenten gebastelt haben, ist tatsächlich härter, weniger weichgespült. Und jene viel beschworene Live-Atmosphäre klingt tatsächlich oftmals durch. Gleich mit der ersten Single hebelte Sasha die Erwartungshaltungen aus: "Here She Comes Again" ist keine sanfte Ballade, sondern ein gefälliger, wenn auch krachiger Rocksong mit sägenden Gitarren. Über verschreckte Fans habe man "sich Gedanken gemacht", doch die Hoffnung, neue Anhänger dazu zu gewinnen, sei größer gewesen, sagt er.

Einen der neuen Songs hat Sasha erstmals ganz alleine geschrieben und komponiert. "In "Everybody Loves You" geht es genau darum, dass man oft falsch gesehen wird", sagt er und erklärt, dass die Medien einem ja allzu oft das Wort im Mund verdrehen würden und am Ende stehe man dann wieder wie ein ganz anderer da. Auch deshalb sei er nun unterwegs, damit "alles richtig aufgefasst wird" und sein zuweilen recht "süffisanter" Humor nicht in die falschen Hälse gerät. Denn ein Zyniker sei er nun auch wieder nicht.

Nein, das ganz sicher nicht. Dann schon eher der harmlose und daher immer etwas gutmenschelnd wirkende Langweiler, für den ihn seine Kritiker oft halten. Vielleicht ist Sasha aber auch einfach nur ein talentierter Sänger und Entertainer, der sich die Cleverness seiner Produzenten in den vergangenen Jahren des erfolgreichen Aufstiegs zu eigen gemacht hat und sich nun nicht mehr verbiegen lassen will, weil er weiß, dass man nur mit größtmöglicher Authentizität ganz nach oben kommt. Mit dem dritten Album, so steht es im kleinen Einmaleins der Musikbranche, muss man zeigen, wo man steht: "Ich bin einer, der zugibt, dass er gerne weltweit erfolgreich wäre", sagt Sasha. Denn Erfolg "sei schließlich nichts, wofür man sich schämen müsste". Mit dem Weltstar allerdings "dauert es wohl noch ein bisschen. Aber ich arbeite dran."

Sasha: "Surfin' On A Backbeat" (WEA) wird am 12. November 2001 veröffentlicht