Post-Punk deluxe Abgelegte Mäntel
Als vor einigen Jahren bei Ian McCulloch das Telefon klingelte und Coldplay-Sänger Chris Martin darum bat, sich einen alten Mantel ausleihen zu dürfen, war der Liverpooler Veteran zwar irritiert, aber auch geschmeichelt. Natürlich ging es nicht um irgendeinen Mantel, sondern genau jenen, den der Chef von Echo & The Bunnymen 1984 bei den Aufnahmen zu ihrem Album "Ocean Rain" im Studio getragen hatte. "Chris sagte mir, dass ihre Platte 'A Rush of Blood to the Head' ebenso virtuos gelingen sollte wie unser 'Ocean Rain'", erinnert sich McCulloch.
Als Erinnerung daran, wie würdevoll das Meisterwerk der britischen Post-Punk-Band Echo & The Bunnymen gealtert ist, erscheint es nun in einer aufwendigen Deluxe-Edition: klangtechnisch aufgemöbelt und um einige Studio-Songs und eine Bonus-CD mit tollen Orchester-Konzert-Aufnahmen von 1983 erweitert. Ein Produkt, das zu dem neu erwachten Interesse an dieser lange abgemeldeten Band passt. Damals in den Achtzigern waren Echo & The Bunnymen daheim in Großbritannien eine Größe: coole Melancholiker mit New-Wave-Haarschnitten und unterkühlten Top-Ten-Hits wie "The Cutter". Aber zum Ende der Dekade schienen sie ihr Pulver verschossen zu haben, waren nur noch schlecht gelaunt, uninspiriert und lächerlich pathetisch. Kein Wunder, dass sie 1988 für einige Jahre auseinander gingen.
Aber weil im Pop alles irgendwann zurückkehrt, sind auch Echo & The Bunnymen längst wieder en vogue. Ihr Comeback begann Anfang des Jahrtausends mit dem Überraschungs-Filmhit "Donnie Darko". Dessen Regisseur Richard Kelly wollte die prägnante Eingangs-Sequenz seines finsteren Märchens ursprünglich mit INXS' "Never Tear Us Apart" ausschmücken, aber weil er die Rechte nicht bekam, ersetzte er es sehr effektiv mit Echo & The Bunnymen's "The Killing Moon" von deren Album "Ocean Rain". Auch in Hollywood-Hits wie "Grosse Point Blank" oder "Girl Next Door" waren die Liverpooler zu hören. Auf der Bühne haben nachgewachsene Kollegen wie Pavement, Nouvelle Vague und - logisch - Coldplay Bunnymen-Songs wie "Lips like Sugar" zum besten gegeben. Dazu kommen seit einigen Jahren junge Bands wie The Editors oder die derzeit massiv gehypten Londoner White Lies, die Echo & The Bunnymen als Quelle großer Inspiration feiern.
Ian McCulloch wird das alles gute Laune machen. "The Fountain", das neue Album seiner Gang, ist für dieses Frühjahr angekündigt. Bleibt nur zu hoffen, dass er bei den Aufnahmen seinen alten Mantel anhatte.
CD Echo & The Bunnymen: "Ocean Rain" (Warner).