"Progeny"-Box von Yes: Dudelrock mit Elfen - DER SPIEGEL
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Progrocker Yes: Ich glaub', mein Einhorn dudelt

Foto: Bill Richert/ Waner Music

Konzert-Box von Yes Der Elfenschatz

Verspottet wurde der Progressive Rock immer, auch weil die Songs manchmal 20 Minuten lang sind. Aber öde ist er nie gewesen, das belegt nun eine Live-CD-Box von Yes mit tollen Konzerten aus dem Jahr 1972.
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Für erste Aufregung sorgte der Punkrocker Johnny Rotten Ende der Siebzigerjahre, als er mit einem "I Hate Pink Floyd"- T-Shirt durch London stolzierte. Pink Floyd standen in diesem Fall für ein ganzes Genre, das damals verspottet wurde: Progressive Rock!

Dieser Progressive Rock, meistens kurz Prog-Rock genannt, war von Anfang an umstritten. Die einen amüsierten sich über endlos mäandernde Dudelrock-Songs, in denen Elfen und Zeitreisen besungen werden; die anderen liebten die Abenteuerlust und Virtuosität des Prog-Rock. Neben Pink Floyd, Genesis, King Crimson und Van der Graaf Generator zählte die britische Band mit dem prägnanten Namen Yes zu den Galionsfiguren dieser Szene.

Eine Erinnerung an ihre faszinierende Musik vermittelt nun die eindrucksvolle 14-CD-Box "Progeny" mit sieben vollständigen Yes-Konzerten von 1972 (sieben Doppel-CDs in neuen Hüllen, wie immer designt von Roger Dean!), dem wohl besten Jahr der Band. Denn sie spielten in ihrer Top-Besetzung mit Jon Anderson, Rick Wakeman, Steve Howe, Alan White und Chris Squire in vollen Stadien.

Ungewöhnlich hohe Stimme und Synthesizer-Spielereien

1972 veröffentlichten die Briten auch ihr Album "Close To The Edge", das als ihr größter Wurf gilt und millionenfach verkauft wurde. Damals fanden Yes endgültig zu ihrem sehr eigenen Sound, der vor allem von Jon Andersons ungewöhnlich hoher Stimme und Rick Wakemans Synthesizer-Spielereien geprägt wurde und den die Band bei jener Tournee virtuos auf die Bühne brachte. Mehr als vier Jahrzehnte später sind die Tour-Mitschnitte, die zufällig im Archiv entdeckt wurden, ein Trip in exotische, herrlich egozentrische Musikwelten - weit weg von aller Routine im Rock. Weil Yes tatsächlich so klangen wie keine andere Band.

Yes haben im Laufe ihrer langen und ziemlich abwechslungsreichen Karriere aber auch so polarisiert wie keine andere Band des Genres: mit knapp zwanzig Minuten langen Songs ("Close The The Edge"), der Kunst-Rock-Show, den überkandidelten Fantasy-Plattenhüllen von Roger Dean. Seit bald einem halben Jahrhundert sind Yes nun schon unterwegs. Wobei in diesem Jahr, nach der krankheitsbedingten temporären Auszeit von Bassist Chris Squire, kein Gründungsmitglied mehr an Bord ist.

In diesem Jahrtausend gelten Yes längst wieder als hip. Zu ihren prominenteren Verehrern zählen neben nachgewachsenen Kollegen wie Kanye West, Aphex Twin und Mark Ronson auch Hollywood-Größen wie Cameron Crowe, "Avengers"-Regisseur-Joss Whedon und Robert Downey Jr.

Übrigens hat auch Johnny Rotten längst eingeräumt, dass er nicht nur Pink Floyd mochte, sondern vor allem: Yes.

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Yes:
Progeny (Box Set)

Rhino; 81,99 Euro.