Queen Adreena: Nymphe aus schottischen Märchen - DER SPIEGEL
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Queen Adreena Nymphe aus schottischen Märchen

Sieben Jahre nachdem sie ihre Band Daisy Chainsaw verlassen hat, kehrt die Engländerin Katie Jane Garside als Queen Adreena zurück. Als offenbar spirituell durchdrungenes Nymphenwesen entfacht sie auf der Bühne einen emotionalen Sinnessturm, der eine seltene Magie besitzt.
Von Stefan Krulle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was haben wir nicht schon alles über Magie zu hören bekommen! Keine Reunion ergrauter Helden, die das Zauberwörtchen nicht zur Erklärung des erneuten Miteinanders bemüht. Und kaum ein Musikant, der ohne den geheimnisvollen Terminus auskommt, wenn es seine in Wirklichkeit recht profanen Takte zu beschreiben gilt. Manchmal aber, in ganz schrecklich schönen Augenblicken, muss mit der Magie nicht erst gewuchert werden, dann fällt sie jedem sowieso gleich auf.

Wenn Katie Jane Garside und Crispin Gray, die eine zur Nymphe aus schottischen Märchen dekoriert, der andere wie ein Junkie beim wohl endgültig letzten Auftritt posierend, gemeinsam auf einer Bühne stehen, dann kann sich ein jeder vorstellen, dass die beiden einst fast aneinander zu Grunde gegangen wären und nun doch ohne einander nicht können.

"Zu zweit bilden wir einen magischen Zirkel", sagt Katie Jane und zupft nervös an den Seidenblumen im langen Haar, "und wenn wir aus dem heraustreten, bleibt von uns beiden fast nichts übrig." Hört sich dramatisch an und ist es auch. 1993 hatte die Sängerin ihre Band Daisy Chainsaw verlassen, "weil ich ein weiteres Jahr in diesem unerträglichen Spannungsfeld nicht überlebt hätte." Danach folgten sieben Sommer auf dem Land, in denen Katie Jane hunderte leerer Seiten mit verwunschenen Versen füllte und nachts dem Mond über den Hügeln entgegensang.

Und nun steht das zarte Elfenwesen als Queen Adreena  mit jenem Crispin an der Gitarre wieder auf der Bühne. Ein ebenso herrliches wie auch beklemmendes Erlebnis, das nicht einmal eine Tori Amos so aufbieten kann. Katie Jane predigt mehr, als dass sie singt, hinter ihr das Inferno, ein babylonisches Soundgewitter, dann wieder Klänge wie zarter Sommerwind. "Fucking hell! Kate fucking Bush on crack! Or what?", fragte Englands "New Musical Express" und blieb die Antwort schuldig. "Ich kann mit solchen Vergleichen absolut nichts anfangen", sagt Katie Jane dann, "weil meine Auftritte und auch meine Songs nur winzige Schnappschüsse sind.

Allerdings sehr wichtige, denn eine andere Art der Kommunikation mit Menschen als die Performance kenne sie überhaupt nicht. Folglich tobt sich Katie Jane im Rampenlicht erst richtig aus - ekstatisch und leicht bekleidet. Das geht dann ziemlich unter die Haut, was selbst die studioverdünnte Version der Queen Adreena, das Album "Taxidermy", noch einigermaßen fesselnd zu transportieren weiß.

"Nur wenn ich mich komplett gehen lasse", sucht Katie Jane ihre Wirkung zu erklären, "fühle ich mich einigermaßen wohl. Ich habe die tiefsten Tiefen menschlichen Seins ausgelotet, für mich gibt es nichts mehr zu verlieren. Deshalb fühle ich mich auf der Bühne, beim Singen transparent, niemand kann mich mehr verletzen."