Queen mit Paul Rodgers Massakrierte Klassiker
Sicher, es war für einen guten Zweck: "Don't Let Aids Ruin Your Life" hieß die Devise, und 350.000 Ukrainer kamen, um die britischen Rock-Veteranen von Queen und ihren zeitweiligen Mercury-Ersatz Paul Rodgers zu bestaunen, auf einem Platz zusammen, der im Zweiten Weltkrieg als Landebahn für Flugzeuge genutzt wurde. Wer dem Großereignis nicht beiwohnen konnte, kann nun dank des CD/DVD-Sets "Live in Ukraine" erleben, was er verpasst hat. Oder eben auch nicht.
Denn eigentlich ist dieses Dokument nur eine Erinnerung daran, was für ein fürchterliches Missverständnis die Paarung Queen und Paul Rodgers ist.
Nichts gegen Queen - eine gewaltige Band, keine Diskussion - aber eben vor allem dank des Sänger und Autors Freddie Mercury, und der ist nun mal tot. Das ist sicher fürchterlich für die drei übriggebliebenen Bandmitglieder, aber immerhin ist es nicht so, dass sie noch Geld nötig haben. Keiner von ihnen muss je wieder einen Finger rühren.
Warum also der Versuch, Queen wiederauferstehen zu lassen?
Wahrscheinlich haben sie sich einfach gelangweilt in ihren abgelegenen Landhäusern. Hatten keine Lust mehr auf Golf, Jagd oder Gottweißwas. Kein Wunder, dass Brian May sein Astronomiestudium aus den Siebzigern wieder aufnahm. Und wahrscheinlich haben sie auch den Rausch des Applauses vermisst. Den Kick, bejubelt zu werden. Egal. Auf jeden Fall starteten Gitarrist Brian May und Schlagzeuger Roger Taylor - der Bassist John Deacon bleibt im Ruhestand - wieder die gewaltige Queen-Maschine und heuerten sich die Rock-Röhre Paul Rodgers als Mercury-Ersatz an. Und so massakrieren sie nun seit Jahren "Another One Bites the Dust", "We Are the Champions" oder "Bohemian Rhapsody" und die anderen Klassiker, mit denen Queen einst berühmt wurden.
Für Paul Rodgers, der mit Free und Hits wie "All Right Now" auch mal bekannt war, ist das natürlich ein Himmelfahrtskommando, bei dem er nicht gewinnen kann und bei dem auch jeder andere scheitern würde. Denn Freddie Mercury ist eben nicht ersetzbar, und das haben seine Ex-Partner ignoriert.
Dabei gab es bereits ähnliche Irrtümer. So wie die Rest-Doors, die Jim Morrison durch den Gothic-Rocker Ian Astbury ersetzten. Oder INXS, die per TV-Show einen Nachfolger für Michael Hutchence fanden.
Bei Led Zeppelin gab es ähnliche Pläne. Sänger Robert Plant hat deutlich gemacht, dass er für eine Reunion-Welt-Tournee nicht zur Verfügung steht. Weil Gitarrist Jimmy Page aber trotzdem loswollte, wurden allerlei Ersatzmänner getestet. Aber Page erkannte, dass Led Zeppelin ohne Plant einfach nicht funktioniert, und blies die Sache ab.
"The Show Must Go On" hieß einer der letzten Queen-Hits, aber wörtlich sollte man ihn eben nicht nehmen!
CD/DVD Queen + Paul Rodgers: "Live in Ukraine" (EMI)