Queen-Musical: Langhaarige Rebellen retten den Rock - DER SPIEGEL
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Queen-Musical Langhaarige Rebellen retten den Rock

Mit viel Witz und eindeutigen Seitenhieben auf die Zustände in der Musikindustrie schuf der Autor und Komiker Ben Elton ein futuristisches Musical auf der Basis berühmter Songs der Rockgruppe Queen. Die von Robert de Niro mitfinanzierte Show feierte ihre umjubelte Premiere im Londoner West End.
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London - Die Story des Queen-Musicals "We Will Rock You" beschreibt eine finstere Zukunft - zumindest aus der Perspektive des Rock-Fans: Alle hören nur noch "Radio Ga Ga". Musikinstrumente sind verboten, es ist die Zeit von Boy- und Girl-Bands aus der Casting-Retorte, Songs werden nicht mehr daheim an der Klampfe, sondern nur noch am Computer produziert. Aber der Widerstand wächst. Im Untergrund warten die "Bohemians" auf das Erscheinen des "Träumers", ein Erlöser, der die Zeit heraufbeschwören soll, als man noch seine eigene Musik machen konnte - die Zeit der britischen Glamrock-Gruppe Queen. Diese Story hätte leicht gekünstelt oder kitschig auf die Bühne gelangen können, doch schaffte es der britische Komiker und Drehbuch-Autor Ben Elton, aus dem simplen Stoff eine amüsante Satire auf die Musikindustrie zu machen.

Eltons Aufgabe war denkbar schwierig: Der Plan war, mehr als 30 Queen-Songs mit einer Handlung einzurahmen. "Ich hatte schlaflose Nächte", erinnert sich der 43-jährige Autor, der viele Episoden für die britische Comedy-Serie "Blackadder" mit Rowan Atkinson schrieb. Das Problem war, dass die Songs der Rockband in keinerlei inhaltlichem Zusammenhang stehen. Oft konnte sich Elton noch nicht einmal auf einzelne Liedtexte einen Reim machen, wie er gegenüber "BBC" sagte. Zeitweise dachte er deshalb daran, alles umzuschreiben. "Doch am Ende habe ich begriffen, dass ich aufhören musste, über einzelne Songs nachzugrübeln, um meine Story zu finden. Ich musste mich auf den Geist des Gesamtwerkes konzentrieren."

So widerstand er also der Versuchung, die Texte der weltbekannten Hits zu verändern. Stattdessen machte er die Geschichte an einigen Schlüsselsongs fest - "Radio Ga Ga", "Killer Queen", "We Will Rock You", "We Are The Champions" und "Bohemian Rhapsody" - und fügte den Rest der Handlung ein, ohne dass sich jede Textzeile mit der erzählten Geschichte verknüpfen lässt. Das stört auch gar nicht, denn: Auch der Hauptfigur, dem "Träumer" Galileo, gehen ständig Textzeilen lang vergessener Rock- und Popsongs durch den Kopf, ohne dass er etwas damit anfangen kann. Von den "Bohemians", den Pop-Guerillas, erfährt er schließlich, dass dies Eingebungen aus der goldenen Zeit der "Rhapsody" sind, als langhaarige Rebellen noch Lieder schrieben, die außer ihnen niemand verstand. Galileo macht sich auf die Suche nach versteinerten Rocker-Artefakten, wird aber von den Ga-Ga-Cops verfolgt, die ihn zu der bösen Killer-Queen bringen wollen.

Die Umsetzung des Queen-Musicals dauerte sechs Jahre kostete zwölf Millionen Euro - eines der teuersten Musical-Projekte, das je im Londoner West End realisiert wurde. Ein Viertel des Geldes kam von dem Hollywood-Schauspieler Robert de Niro, der das Projekt mit seiner Produktionsfirma Tribeca betreute. Die noch lebenden Queen-Musiker sind sicher, dass Freddie Mercury seinen Spaß daran gehabt hätte, schließlich sei er ein sehr "theatralischer Charakter" gewesen, so Queen-Gitarrist Brian May, 54. "Die Tänzer und Sänger sind unglaublich". Sogar der mit diversen Gesangsspuren aufgenommene Mercury-Hit "Bohemian Rhapsody" gelangt zur Aufführung: "Wir konnten das selbst nie live spielen, weil es zu viele Stimmen hat", sagte Schlagzeuger Roger Taylor, 52. "Aber jetzt geht das." Gitarrist May hoffte nach der Premiere im Londoner "Dominion"-Theater auf eine lange Laufzeit des Musicals: "Die Show bringt neues Leben in die Songs. Wir hoffen, dass sie 20 Jahre lang läuft".

Ein Exportschlager wie "Cats" oder "Der König der Löwen" wird "We Will Rock You" wohl kaum werden, denn die vielen Anspielungen auf Musiktitel und Popstars lassen sich nicht ohne weiteres in andere Sprachen übertragen. Streckenweise ist das Stück sogar ein explizit britisches Musical, dessen witzigste Szene am Schluss seinen Spott mit den endlosen Bemühungen zum Neubau des Wembley-Stadions treibt: In den Trümmern der legendären Sportstätte findet der Messias Galileo, geleitet vom Geist Freddie Mercurys, das lang gesuchte Instrument zur Befreiung der Welt - die letzte E-Gitarre.