Rock-Legenden: Verkohlte Gitarre zu versteigern - DER SPIEGEL
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Rock-Legenden Verkohlte Gitarre zu versteigern

Bereits zum zweiten Mal wollte Frank Zappas Sohn Dweezil eine von Jimi Hendrix höchstpersönlich verbrannte Gitarre versteigern - doch bis zu der angestrebten Summe von 400.000 britischen Pfund ließen sich die Bieter erneut nicht anstacheln.
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London - Wer will schon eine verkohlte Gitarre? Nun ja, immerhin ist die für Linkshänder designte Fender Stratocaster "Sunburst" aus den späten sechziger Jahren noch voll funktionstüchtig, Frank Zappa spielte auf ihr auf seinem Album "Zoot Allures" (1976), Sohn Dweezil benutzte das angesengte Instrument in den neunziger Jahren für seine eigenen Solo-Alben.

Schon seit Anfang des Jahres versucht der Musiker jedoch, die ehrwürdige Gitarre zu versteigern. Bei einer Versteigerung in Las Vegas erzielte Zappa ein Gebot von stattlichen 500.000 Dollar (rund 511.000 Euro), lehnte jedoch ab. Am Dienstag sollte nun das Londoner Auktionshaus Cooper Owen einen neuen Versuch starten, gewünschter Erlös: 400.000 Pfund (rund 637.000 Euro). Doch erneut machte die Unlust der Bieter dem Zappa-Sohn einen Strich durch die Rechnung: "Nur" 300.000 Pfund (rund 478.000 Euro) wurden für die Hendrix-Stratocaster geboten. Nun ist es an Zappa, zu entscheiden, ob er das niedrigere Angebot akzeptiert, oder es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versucht.

Vor der Versteigerung am Dienstag sagte Zappa gegenüber der BBC: "Als ich sie 1991 komplett zerlegt fand, ging ich zu meinem Dad und erzählte ihm, ich hätte die Hendrix-Gitarre gefunden. Er sagte, ich solle sie haben. Nun, denke ich, ist es Zeit, sie an einen neuen Besitzer weiterzugeben." Warum er jedoch unbedingt eine noch höhere Summe als bisher geboten erzielen will, verriet der 33-jährige Musiker allerdings nicht.

Nachvollziehbar ist der Gitarren-Kult allemal: Rock-Historiker gehen davon aus, dass der legendäre Gitarrist Jimi Hendrix nur zwei "Sunburst"-Modelle besaß. Laut Experten-Meinung ist das Zappa-Instrument jene Gitarre, die Hendrix 1967 auf der Höhe seines Erfolgs sowohl bei seinem Auftritt im Londoner "Astoria", als auch wenige Wochen später auf dem Popfestival in Miami, Florida in Brand gesetzt hat. Nur drei Mal spielte Hendrix insegesamt auf offener Bühne mit dem Feuer. Ebenfalls 1967 kokelte er beim Pop-Festival von Monterey, Kalifornien, als er eine weitere Stratocaster passend zum Song "Fire" anzündete. Hendrix, der vier Jahre später starb, betrachtete das Verbrennen seiner Gitarre als religiösen Vorgang: "Wenn ich meine Gitarre anzünde, ist das wie ein Opfer. Du opferst die Dinge, die du liebst. Ich liebe meine Gitarre", sagte er einmal.

In den siebziger Jahren gelangte das bereits zwei Mal zerstörte Instrument aus London und Miami in die Hände Frank Zappas, der es noch einmal restaurierte und für "Zoot Allures" benutzte. Danach vergaß er das kostbare Stück, bis Sohn Dweezil Jahre später auf die Einzelteile aufmerksam wurde und die "Sunburst" erneut zusammen setzte. Zappa ersetzte den komplett verkohlten Hals der Gitarre und erneuerte die Elektrik. "Diese Gitarre ist wahrlich ein historisches Stück. Sie wurde von zwei der größten Gitarristen gespielt, die je gelebt haben", sagt Dweezil über den Schatz, der ihm von seinem 1993 verstorbenen Vater vermacht wurde. "Wenn Du sie nur anguckst, spürst du die Historie hinter der Musik. Es ist sehr inspirierend." Offenbar aber nicht inspirierend genug, um die gewünschten 400.000 Pfund einzubringen. Sollte die Weitergabe eines der wichtigsten Artefakte der Rock-Geschichte tatsächlich an Geldgier scheitern...?