Ruby Schöne Demut
"You might think the deal is done/ But silk is worm until it's spun", singt Lesley Rankine, auch bekannt als Ruby, auf ihrem neuen Album "Short-Staffed At The Gene Pool." Das kann man als Statement in eigener Sache verstehen: Seit Erscheinen ihres hochgelobten Debütalbums "Salt Peter" sind sechs Jahre vergangen. Sechs Jahre, in denen die britische Sängerin den kreativen Neuanfang in New Orleans suchte, später dann in Seattle - um schließlich doch wieder ins heimatliche Schottland zurückzukehren. Als Ruby dort ihren eigenen Klang zu entwickeln begann, heftete man ihr bald das Etikett TripHop an. Das Modewort beschrieb ganz gut die Selbstversuche der freundlichen Eigenbrötlerin, die lieber mit den Apparaten rang, anstatt sich großartig um vollendete Kompositionen zu kümmern.
In vielen Momenten prägt solche Attitüde auch ihre neue CD. Rankine sucht den Dialog mit den Beats und Samples und bewahrt der eigenen Musik so das Ambiente des Zeitgemäßen. Trotzdem ist die Heimkehr nach Schottland aber nicht der äußere Beleg für einen kreativen Kreislauf. Bei allem alten Mut zum Experiment ist Rankines musikalisches Stückwerk greifbarer geworden. Solchem Willen zur Gegenständlichkeit muss das Nebulöse, Verstiegene des Frühwerks nicht selten weichen.
Dafür gibt es jetzt gelegentlich fast klassisches Songwriting. Also wird das neue Etikett nun Elektro-Pop heißen. Ein wiederum gar nicht verkehrter Begriff für den polternden Northern Soul von Patchwork-Etüden wie "Beefheart" und "Grace" oder den Breakbeat-Minimalismus von "Queen Of Denial" und "Cargo", dessen drohende Modernismen Rankine stets mit allerlei schrulligem Klangrepertoire zu brechen weiß.
Allzu Offensichtliches ist nicht die Sache der Künstlerin
Anstatt sich arg zu brüsten, überlässt Rankine die erste Reihe dem liebevoll unprätentiösen Produktionsdesign, begnügt sich mit der Agitation im Hintergrund und opfert solchem Understatement die ganz große Performance, die Kolleginnen wie Alison Goldfrapp zu deren hell scheinenden Charisma verhilft. "I bear my fruit, and invite the world to see/ I bear my fruit, will they tear it from my tree", formuliert Rankine die eigene künstlerische Seele und will also lieber teilen als bloß vorführen. Für solche Demut ist man ihr dankbar.
Ruby: "Short-Staffed At The Gene Pool" (EFA Medien); Erscheinungsdatum: 23. April 2001.