Sopran-Diven: Stress-Test mit Strauss
Sopran-Diven Stress-Test mit Strauss
New York ist schön und gut, wer die "Met" hat, hat's geschafft, aber so richtig gut fühlt man sich zu Hause, bekennt die in Günzburg an der Donau geborene Sängerin Diana Damrau. Momentaufnahmen ihres künstlerischen Leben hat die TV-Dokumentation "Neun Monate mit..." (7. Februar, 21.50 Uhr, Arte) hübsch eingefangen, ohne kritische Schärfe, aber dafür mit schönen Bildern und Tönen und immer wieder entwaffnend ehrlichen Statements einer grundsoliden Künstlerin.
Sportliche Koloraturen von Rossini gelingen ihr locker und elegant, wie man den Filmbeispielen aus ihrem "Barbier von Sevilla"-Auftritt entnehmen kann. Für deren bühnenwirksame Interpretation nahm sie schnell noch Flamenco-Unterricht - die temperamentvollen Bewegungen passen perfekt zum Rollencharakter. Unbefangene Natürlichkeit ist ihr großes Plus, sie erdet die Persönlichkeit, lässt sie bei aller Klasse bodenständig und glaubhaft erscheinen. Damrau muss selber kichern, als sie ihre neuen Pressefotos für die "Poesie"-CD sieht. Weshalb man die Powerfrau auf dem Cover mit Girlie-Ballkleid unbedingt auf Konfektgröße verkleinern musste, bleibt das Geheimnis der Plattenfirmen-Strategen.
Die "neun Monate" des Titels sind natürlich nicht zufällig gewählt: Am Ende des Films wird Diana Damrau Mutter - wieder einmal muss sie ihr Leben umkrempeln. Man darf sicher sein: Die patente Diva kriegt auch das hin.
Sehr gut hingekriegt hat sie auch ihr jüngstes CD-Projekt "Poesie", eine Sammlung hochfein komponierter Orchesterlieder von . Gemeinsam mit am Pult der Münchner Philharmoniker bildet sie ein Team, das als Idealkonstellation für ein solches Projekt gelten kann. Thielemanns Strauss-Faible und sein schon zu Beginn der Münchner Zeit avisiertes Vorhaben, sämtliche Strauss-Lieder für Orchester aufzuführen, bildeten die beste Voraussetzung für eine versierte Strauss-Interpretin wie Damrau.
Verführerisch in der Doppelrolle
Damraus makellos blitzende Stimme, höhensicher und kraftvoll in den Mitten, arbeitet aus den von Strauss vertonten Brentano-, Bierbaum- und Uhland-Texten unangestrengt und präzise Nuancen heraus, lässt die Töne zu metallischer Eleganz schweben - so wird sich Strauss das vorgestellt haben. Nicht umsonst buchen Opernhäuser Diana Damrau gern für die Zerbinetta in Straussens "Ariadne auf Naxos". Deren anstrengende Koloraturarie ist ein Stress-Test für alle Sopranistinnen. Damrau passiert ihn stets souverän und - was ebenso wichtig ist - mit Spaß.
Ganz anders präsentiert sich Damraus Sanges-Kollegin Joyce DiDonato auf ihrer jüngsten CD: Das Prinzip "Ein Kessel Buntes", auf den Mezzosopran-Punkt gebracht, führt die Jubelstimme aus Kansas quer durch die klassische Opernliteratur. Thema sind draufgängerische Frauen und verführerische Männer. Das klingt gezielt nach Sex. Das bekämpft die Langeweile, nervt allerdings wie ein sehr kontrastverliebtes, gängereiches Menü. Früher nannte man das despektierlich "Sampler", heute adelt sich das Prinzip selbst zum "Konzeptalbum".
Auf dem Cover posiert die hübsche Frau DiDonato verführerisch in der Doppelrolle: feminin gekleidet und gleichzeitig männlich in Anzug und Krawatte. Der Mezzo kommt schließlich oft als Hosenrolle daher. Auf ihrem dennoch gelungenen Album "Diva Divo" spannt Joyce DiDonato mit ihrer farbenreichen Superstimme einen weiten Bogen von Gluck und Mozart bis zu Massenet und Strauss. Gegenüber ihrer direkten Konkurrentin Elina Garanca kann sie sich mit stupender Flexibilität, silbriger Höhe und Ausdrucksfülle bestens behaupten.
Bei Richard Strauss wären Diana Damrau und Joyce DiDonato sogar das ideale Paar: Gehört die "Rosenkavalier"-Sophie zu den Paraderollen von Damrau, so könnte DiDonato dazu tiefgründig als Rosenbringer Octavian schillern. Ähnliches könnte in Straussens "Ariadne" passieren, wenn beide als Zerbinetta und Komponist aufeinander träfen: Das wäre ein delikater Stress-Test.
"Neun Monate mit..." 7. Februar, 21.50 Uhr, Arte.