Videopremiere: "Ich bin ein Mann" von Der Mann - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Videopremiere von Der Mann Diskurspop für US-Raver

Dada-Grüße aus Berlin nach New York: Die Diskurspopband Der Mann ist noch wenig bekannt, doch nun wird ihre Single "Ich bin ein Mann" in New York veröffentlicht - und sie will die US-Klubs aufmischen. Wir zeigen das zugehörige Video als Premiere.
Diskurs-Band Der Mann: Berliner Ironiker wollen US-Klubs erobern
Diskurs-Band Der Mann: Berliner Ironiker wollen US-Klubs erobern

Diskurs-Band Der Mann: Berliner Ironiker wollen US-Klubs erobern

Foto: Der Mann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Was mich am Ei stört, ist das Weiß. Was mich an Begräbnissen stört, ist der Tod. Was mich an Griechenland stört, ist der Euro. Was mich an Facebook stört, sind die Freunde." So geht das knapp vier Minuten lang im monotonen Sprechgesang über einem mit Händeklatschern angetriebenen Bass-Galopp, der ein bisschen an Survivors Gassenhauer "Eye of the Tiger" erinnert. Ein eigentlich geschlechtsloser Misanthropen-Gesang, wenn die Berliner Band Der Mann nicht am Ende jeder Strophe "Ich bin ein Mann" singen würde.

Der gleichnamige Song bildete den Höhepunkt auf dem im vergangenen Winter veröffentlichten Album "Wir sind der Mann". Hinter dem "Mann" verbergen sich gleich drei Typen, die auf dem von Helmut Kraus gemalten Cover zu einer prototypischen Männer-Visage zusammengemorpht wurden. Schnell sickerte durch, dass es sich dabei um das Alter Ego der Berliner Diskursrocker Die Türen handelte, deren Gründungsmitglieder Ramin Bijan, Gunther Osburg und Maurice Summen nun als Berthold, George und Ray Mann auftraten. Was das allerdings alles sollte - Update eines notorischen Grönemeyer-Songs oder ironischer Beitrag zur Gender-Debatte - blieb unklar; wenngleich die Musik durchaus schön war.

So deutsch, dass es schon wieder deutsch ist

Man hätte das also als amüsante Gaga-Pirouette der Berliner Pop-Bohème abhaken können, wenn nicht "Ich bin ein Mann" ein knappes halbes Jahr später versuchen würde, zum internationalen Hit zu avancieren. Das Lied über den nörgelnden, übellaunigen deutschen Mann wird an diesem Wochenende in den USA veröffentlicht. Und zwar nicht irgendwo, sondern auf Ultra Records, wo EDM-Größen wie Tiesto, Calvin Harris oder Deadmau5 ihre Klubhymnen veröffentlichen.

"Das ist so deutsch, dass es schon wieder deutsch ist. Unbedingt unter Vertrag nehmen", soll der Label-Chef gesagt haben, der zuvor als Rap-Talentscout gearbeitet und in dieser Rolle Superstars wie Jay-Z und Pharrell Williams entdeckte hatte. Mit Ultra verhalf er dem EDM zum momentanen Siegeszug in den USA.

Aber wie kann ein deutscher Song zum Klub-Hit in den USA werden? Welcher Amerikaner will das hören? Wenn ein deutscher Popsong sich in England oder den USA durchsetzen konnte, galt schon immer: Je schlichter und plakativer, desto besser. Kraftwerks "Autobahn", Trios "Da Da Da", Nenas "99 Luftballons", Rammsteins "Du hast" - eine schöne Tradition, in die sich "Ich bin ein Mann" einreihen könnte. Und wohin passt eine lakonische Hymne über mimosige Männlichkeit besser als in das Land, das uns in den vergangenen Jahren gebrochene Machos wie Don Draper, Tony Soprano oder Walter White als TV-Rollenmodelle präsentierte?

Pünktlich zum US-Deal ist auch der Videoclip zum potenziellen Klub-Hit in den Casinos von Las Vegas fertig - den Sie bei uns ebenso exklusiv zu sehen bekommen wie das Video zum flotten Deichkind-Remix von "Ich bin ein Mann". Weitere EDM-Remixe werden sich auf der US-Single befinden. "Ob die uns wohl gefallen werden?", fragt sich Summen. "Keine Ahnung. Aber wenn das hilft, den US-Ravern unsere Message beizubringen: Nur zu!" Welche Message war das gleich noch mal? Ach, egal.

Mehr lesen über