Wagner-Festspiele Gruppenbild mit Eva
"Was für ein Auftrieb!" Die junge Dame vom britischen Fernsehen staunte nicht schlecht. "Wenn beim Glyndebourne Festival Pressekonferenz ist, sind höchstens ein paar Fachjournalisten da!" Dabei war das Gedränge bei der Eröffnungspressekonferenz der diesjährigen Wagner-Festspiele in Bayreuth nicht mal außergewöhnlich. Etwas über hundert Journalisten, quer durch die Medienlandschaft, drängten sich im quadratischen Foyer der Probenbühne 1 im Bayreuther Festspielhaus. Ganz wie im letzten Jahr, als dieser hurtige Aufgalopp zum Fest eingeführt wurde. Man kam nicht wegen des Buffets, da gab's nur Wasser und Brez'n. "Das ist eben Wagner!" antwortete der Chef des britischen TV-Teams seiner Kollegin. "Das geht ganz tief in die deutsche DNA."
Keine Neuinszenierung: "Tristan und Isolde" 2009
Foto: DPA/ Bayreuther Festspiele GmbH/ Enrico NawrathWie schön, wenn diese international bekannte und oft gefürchtete Tiefe durch eine fränkischen Frohnatur wie Katharina Wagner unbekümmert gegen den Strich gebürstet wird. Zum ersten Mal führen sie und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier in diesem Jahr die Festspiel-Feder, und so wie sie sich präsentieren, lastet anscheinend gar nichts schwer auf den Schultern der Wagner-Erbinnen. Sogar die medienscheue Wagner-Pasquier hatte für diesen Anlass den Weg in die Öffentlichkeit gefunden und sagte sogar ein paar freundliche Sätze zu den neugierigen Gästen.
Anders als die fröhliche Katharina mit ihrer Trompetenstimme hatte Eva allerdings durchaus ein Mikrofon nötig, das ihr - leider etwas spät - ein mitfühlender Mensch in die Hand drückte. Da hatte sie allerdings schon die Hälfte ihrer dezent freundlichen Ansprache erledigt, die nicht mehr als eine höflich vornehme Begrüßung beinhaltete.
Dann überließen die Damen dem Bayreuther Pressesprecher Peter Emmerich und den künstlerischen Leitern der Eröffnungsvorstellung "Tristan und Isolde" die Bühne: Christoph Marthalers Regie-Statthalterin Anna-Sophie Mahler und Dirigent Peter Schneider mühten sich, etwas Neues aus der bekannten Inszenierung für 2009 herauszuschälen.
Peter Schneider erläuterte die bekannten Dirigier-Schwierigkeiten durch die spezielle Bayreuther Bühnenkonstruktion, besonders wenn die Regie sie ignoriert. "Manchmal hilft die Regie nicht gerade!", verschmunzelte er allerdings seine dezente Kritik. Mahler verteidigte die eigenwillige Personenregie speziell beim Marthaler-Tristan ("Die Regie hilft der Musik gerade dadurch, dass sie sie nicht doppelt") und beinahe hätten die beiden sich gestritten. Aber das war nun gerade für diesen Tag nicht vorgesehen, schließlich ist ja Eröffnung. Und schon war dieser Part der Pressekonferenz vorbei, denn Katharina wartete schon ein Haus weiter mit Teil zwei der Medienpräsenz.
Alles rund und roger
Die fand in der "Bretterbude" statt, Probenraum 4: Hier ging's um Allgemeines zur neuen Corporate Identity der "Marke Bayreuth", der Finanzierung der ganzen Neuerungen und was überhaupt in diesem Jahr so ansteht. Wagner war in ihrem Element: Locker aus dem Stand, ohne Pult und Mikro beschallte sie souverän die Probenbühne, als hätte sie nie im Leben etwas anderes gemacht. Wagner-Versionen für Kinder, wie in diesem Jahr den "Fliegenden Holländer", soll es weiter geben. Ja, und bei Themen wie "Tannhäuser" (Venusberg!) ist eben für Sechsjährige etwas Kreativität gefragt. Finanziert werden künftige Projekte wie DVDs, Public Viewing und eben das Kinderprogramm von Sponsoren, um die sich die Bayreuth-Tochter BF Medien GmbH kümmert. Und bei industriellen Geldgebern kommen gerade Ideen wie Jugendansprache im Zusammenarbeit mit Schulen sehr gut an. Alles rund und roger. Und die "Ring"-DVDs erscheinen auch noch in diesem Jahr.
Fast wünschte man sich einen Hauch der morgenmüden Pressekonferenzen nach den Premieren zurück, als etwa der monologisierende Wolfgang Wagner immer um ein Haar aus der Schule der Festspiele geplaudert hätte, der schläfrige Schlingensief um Erinnerung rang und auch Orchestermusiker zugegen waren. Aber das geht nun nicht mehr: Markenpflege muss schließlich stringent organisiert werden, und bisher performt das neue Wagner-Duo an der Festivalspitze ja nicht schlecht. Auch wenn's am Ende dieses Tages nur zu einem Gruppenbild mit Eva reichte.
Hinweis: Irrtümlich zitierten wir Frau Anna-Sophie Mahler in diesem Artikel mit einer sinnverzerrenden Aussage. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.